Freitag, 19. August 2011

POLITIK

POLITIK

“Rationality belongs to the cool observer. But because of the stupidity of the average man, he follows not reason, but faith. And this naive faith requires necessary illusion, and emotionally potent oversimplifications, which are provided by the myth-maker to keep the ordinary person on course. It’s not the case, as the naive might think, that indoctrination is inconsistent with democracy. Rather, it is the essence of democracy." (Noam Chomsky, "Manufacturing Consent")
ES GIBT KEIN "LINKS" UND KEIN "RECHTS"!
In den meisten europäischen Ländern, auch in der Berner Puppenkiste, hat es sehr verschiedene Parteien: grüne, liberale, Sozialdemokraten, national-orientierte, christliche usw. Und alle sind schön auf einem Spektrum aufgereiht, das wie eine Linie erscheint, und ein "Links" und ein "Rechts" kennt und eine "Mitte". Dieses Spektrum mag vor 100 Jahren noch tauglich gewesen sein, inzwischen wurde der politische Diskurs aber viel mehrdimensionaler. Es ist also sicher nicht mehr linear.
BEWEISE FÜR DIE ILLINEARITÄT
- Nicht nur Rechtsextreme sind gegen Israel, sondern auch einige Linke. Während gemässigte Rechte Israel unterstützen. - Nationalisten hassen den Islam. während noch rechtere den Islam bisweilen mögen.
- Moderate Linke sind grün. Geht man weiter ins Grüne, gelangt man zum Ökofaschismus, der wiederum dem rechten Spektrum zugeordnet wird.
- Sowohl Links- als auch viele Rechtsextreme sind antikapitalistisch
- Rechte unterstützen Amerika, Rechtsextreme hassen es.
"Wir sind so weit links, dass wir schon wieder rechts sind." Josef Goebbels
Ein weiteres Beispiel: Europäische Länder müssen sich für oder gegen den EU-Betritt entscheiden, die Personen und Warenfreizügigkeit über die Grenzen hinweg will. Linke wollen das meist. Neoliberale aber auch. Rechte lehnen es meist ab. Aber einige reiche rechte Parteimitglieder unterstützen es dennoch - weil es ihnen billige Arbeitskräfte bringt. Ich begreife also manchmal nicht, wieso es so selbstverständlich ist, dass man als „Linker“ die EU unterstützt. Sind die Nationalstaaten nicht ein letztes Bollwerk gegen den internationalen Kapitalismus? Sollte man sie nicht noch bestehen lassen? Europa ist nicht die EU, Europa gibt es auch ohne Brüssel.
VETTERNWIRTSCHAFT
So oder so: Ein lineares Parteienspekturm ist ungeeignet, die Realität abzubilden - wird aber immer noch verwendet. Weil die Parteien gar kein Interesse daran haben, die Realität abzubilden, geschweige denn sie verändern zu wollen. Sie "lösen" nur momentane Probleme. Es fehlt ihnen jeglicher plastische Plan für die Zukunft. Die Politiker der gegnerischen Parteien kennen einander untereinander, genauso wie viele Anwälte der Gegenseite vor Gericht einander kennen. Nun kann man sich ausrechnen, wie der Prozess verläuft... Er wird gegenseitig in die Länge gezogen, dass es schön viel kostet. Richtige Wahrheit ist nicht zurechtgebogen, sondern hervorgeschürft! Und man verdient nicht daran! Man kassiert nicht ohne einen Streich zu tun 30000 Franken im Monat, dafür, dass man die Wahrheit sagt. Ist die Wahrheit beliebt? Ist die Tugend beliebt? Politk ist wie ein Hobby. Es spielt keine Rolle, wer im Bundeshaus sitzt. Hauptsache die Ruhm-Maschine, der Bauchpinselungs-Apparat generiert Ruhm und Sitzungsgelder.
VORWÄRTS STATT IM KREIS!"
Täuschende Schweizer Demokratie: Unter diesen Umständen sind Wahlen heutzutage kaum mehr als eine Art Punch-and-Judy-Show, in der Kinder atemlos dem kühnen Punch zusehen, wie er das böse Krokodil bekämpft, nicht ahnend, dass beide Figuren von ein und derselben Person hinter dem Fernsehschirm manipuliert werden. Es macht kaum einen Unterschied, ob man für einen Sozialisten, einen Christ-Demokraten oder einen liberalen Gesetzesmacher stimmt, da alle drei im Prinzip dieselbe Politik im Parlament unterstützen. Eine echte linke Opposition zu dem System existiert nicht mehr." Dr. Jürgen Graf
Möbiusband von M.C. Escher Die politische Bandbreite ist also keine Gerade, auf der es etwa ein links oder rechts gibt, sondern eher so etwas wie ein Möbiusband. Woran kann man sich noch orientieren? Spieler von "Links" und "Recht"-Aussen müssten im Zangenangriff Sturm gegen das Tor laufen. Alles andere führt nur im Kreis wie ein Karussel!
WIE WÄHLEN UND STIMMEN?
Übrigens hat uns nie jemand gesagt, wie man wählen soll. Wie Wählen und Stimmen? Das, was einem selbst dient, oder das, wovon man denkt, dass es dem Land dient? Spielt keine Rolle, Hauptsache es ist gestimmt und gewählt! Es ist sogar eine Bürgerpflicht! Wenn ein Fussballspiel bevorsteht, und jemand fragt Dich: "Für wen bist Du?", dann heisst das: "Mit wem sympathisierst Du?" Nun verstehen aber viele die Frage heute fälschlicherweise als: "Wer denkst du, wird gewinnen?" - Viele Menschen können die beiden Fragen gar nicht mehr unterscheiden!! Manche wählen "die Partei, die gewinnen wird" - Dies ist unsere verknorzte Denkweise - aber sie entspricht total der Markt-"Ethik" ("Die gefragtesten Dinge, sind am gerechtfertigtsten") All unsere Denkweisen sind auf diese Art gepolt, und häufig ist der Sieger nur ein Sieger, weil viele denken, dass er es sei...
WUNSCH ODER BEDÜRFNIS?
Der politische Prozess drehte sich einst darum, das rationale, kritische Denken der Menschen anzusprechen (Man erinnere sich an Lincolns sehr differenzierte und ausgedehnte Reden!) und zu überzeugen, um den gesellschaftlichen Bedürfnissen entgegenzukommen. Aber dann wurde der Gross-Enkel Freuds PR-Berater... PR-Profis entdeckten die Psychoanalyse und konnten nun tiefste sexuelle menschliche Wünsche analysieren. Spin-Doctors und Politiker begannen, an irrationale, primitive Impulse zu appellieren, im grossen Stil nutzen Politik und Wirtschaft psychologische Techniken, um unsere Wünsche zu lesen und zu erfüllen, um Produkte und Reden möglichst gefällig für uns zu machen.
"We must shift America from a needs- to a desires-culture. People must be trained to desire, to want new things, even before the old have been entirely consumed. Man's desires must overshadow his needs." Paul Mazer (Lehman Brothers)
Alle politischen Strömungen besitzen Wahrheit, die sie hochhalten. Andererseits müssen alle politischen Strömungen Teile der Wahrheit ausblenden. Man hat Angst vor der Wahrheit des Gegners. Weshalb gründet man nicht einmal eine ganzheitliche Partei, die sich an möglichst allgemeingültigen Wahrheiten orientiert? Nicht einer hat ein Interesse daran! Alle!

KAPITALISTISCHER ALLTAG

KAPITALISTISCHER ALLTAG

EINE AUSSENANSICHT
"Ich konnte alles hautnah selbst erleben, nicht nur theoretisch. Den real existierenden Kapitalismus. Ich sah die kapitalistische Produktionsweise, den kapitalistischen Alltag. Die Medien sind sehr präsent. Aber es ist nicht direkt Propaganda im eigentlichen Sinn des Wortes. Vielleicht hat es nur an meinem eigenen Heimweh gelegen, aber ich spürte unter den Schweizern das konstante Gefühl des Nicht-Zuhause-Seins, einer Art geistigen Unbehaustheit. Und auch einer wortwörtlichen Unbehaustheit: Die Leute zahlen Geld an diese Firmenklüngel, z.B. Versicherungenskonzerne, und diese investieren dann in Wohnblocks, sanieren sie. Und die Häuser werden teurer, somit bezahlt der Arbeiter auch noch dafür, dass man ihm seinen Lebensraum nimmt, nicht nur geistig, auch unmittelbar räumlich." Kein Wunder: Nahezu das gesamte Leben der Bürger wird kommerziell verwertet: Reisen, Lifestyle, Erlebnisgastronomie und Eventmarketing, Themenparks, Themenwanderwege... So wird der Mensch zum Konsumenten seines eigenen Lebens. Ökonomische Logik dringt sogar in Freundschaften und Partnerschaften, alles gilt strikt quid pro quo! Markennamen sind das einzige, was dem Leben im Kapitalismus noch Bedeutung verleiht. Der Nike-Haken, genannt "Swoosh", ist das meisttätowierte Symbol in den USA... Kapitalismus bedeutet: Alle Menschen dieselben Fehler immer und immer wieder wiederholen zu lassen, und dafür auch noch Dividenden zu zahlen. Zirkelschlüsse und Nullsummenspiele kennzeichnen den modernen Kapitalismus. Die Bürger sind im Vakuum der Geldlogik gefangen, die
Edward Hopper Konzerne und Medien stillen unseren Hunger nach Starruhm und (hohler) Bedeutung. "Eine grosse Marke gibt einer Erfahrung grössere Bedeutung, gleichgültig ob es darum geht, in Sport und Fitness sein Bestes zu geben, oder darum, dass die Tasse Kaffee, die man trinkt, wirklich wichtig ist." Scott Bedbury (Marketingchef Nike/Starbucks) MACHT DER KONZERNE Die Werbung der Konzerne dringt immer tiefer, subtiler, organischer in unser Leben. Werber geben sich nicht mehr damit zufrieden, dass Kinderschauspieler in einer Fernsehreklame Cola trinken, sondern Schüler sollen im Deutschunterricht ein Brainstorming für Coca Colas nächste Werbekampagne durchführen. Auch Google hat Wettbewerbe für Schulklassen ausgeschrieben, "Doodles" zu gestalten (Google-Schriftzüge). In Kinofilmen werden nicht mehr nur Schleichwerbungen für die Marken eingebaut, sondern die Filme selbst werden immer mehr als Marken begriffen (Die Indiana Jones-"Franchise" usw.) Die Wirtschaft kauft immer mehr öffentlichen Raum auf, neben Schulen werden auch sogar Forschungseinrichtungen infiltriert: "Yahoo Chair of Information Systems Technology", "Taco Bell disinguished Professor of Hotel and Restaurant Administration" usw. Nike und Disney organisieren Ferien, haben Kreuzfahrtschiffe, oder sogar eigene Inseln. Disney gründete die "Anaheim Ducks" (Angelehnt an den Hockeyfilm "The Mighty Ducks"). Ihre Heimspiele tragen sie im "Honda Center"-Stadion aus.
Schloss Buonas - verschachert an Roche Disney besitzt sogar schon eine eigene Stadt, "Celebration", Florida. Der ironische Gipfel der Dekadenz: Die Stadt ist selber ziemlich markenfrei. Celebration ist die verklärte Vorstellung eines lebenswerten Amerikas aus der Vergangenheit, aus der Zeit vor den Einkaufszentren, Freizeitparks und der Massenkommerzialisierung - aus der Zeit vor Disney! Die 2500-Einwohner-Stadt Cashmere in Washington wurde vom ortsansässigen Süssigkeitenhersteller Liberty Orchard sogar erpresst. Man werde wegziehen, wenn man nicht Werbetafeln an der Hauptstrasse bekäme, bestimmte Strassen umbenannt würden usw.
VOLITION
Wie wird unser Wille gebildet (Volition)? Moderne Läden sind begehbare Umgebungen, Räume geleiteter Wahrnehmung und Betrachtung. Wollen wir also wirklich, was wir wollen? Wünsche kommen von Aussen, werden dem Konsumenten - teils über lange Zeiträume - eingepflanzt. Es ist ein unsichtbarer Kollektivwillen, der unsere Anschaffungen diktiert. Wenn heute zwei Personen miteinander sprechen, dann machen Worte gerade mal noch 7 % der Kommunikation aus. Das meiste sind Bilder und Gefühle durch Werbungen und Reklamen. Wenn Du in diesem System alleine bist, keine Freunde, keine Freundin, keinen Beruf hast, wenn Du ganz am Boden bist, dann bist Du wirklich frei, und weisst, was Freiheit wirklich ist... Im sozialen Tod „darfst“ Du wirklich alle Entscheidungen selbst treffen. Im sozialen Tod merkte ich, dass das alleinige Entscheiden gar nicht so einfach ist, weil plötzlich die Luft draussen ist: Ohne sein Umfeld hat man plötzlich keine Entschlossenheit mehr. Ich weiss es, denn ich bin über ein Jahrzehnt tief in mich hineingetaucht, und habe merken müssen, dass es so etwas wie eine Persönlichkeit gar nicht gibt, bzw. dass sie nur eine Illusion ist - Es gibt keinen anderen, es ist alles eins. Du kannst in Dir selber nämlich nichts finden. Du kannst nicht auf dem Boden von dir selbst sehen: "Aha, ich bin eine Datatypistin." Sicher gibt es Talente und Veranlagungen, aber nur sehr unkonkret. Wenn deine Denkweise auf dem Weg dazu ist, so ganzheitlich zu werden, hast Du anfangs also fast gar keinen Willen mehr. Das ist beängstigend und deprimierend (Kein Wille = Kein Antrieb). Paradoxerweise ist in den heutigen Lebensumständen Abgeschiedenheit notwendig, um Einheit zu erlangen, bzw. man wird automatisch einsam, sobald man Einheit sucht (Was ist das für eine Gesellschaft, wo jede Suche nach Einheit zur Vereinzelung führt?)
Aber wenn Du viele Freunde hast, kommt viel von "deinem" Willen aus deren Willen. Viele Fragen, denen man alleine gegenüberstehen würde, stellen sich jetzt gar nicht. Die sozialen Strömungen bestimmen. Sicher ist das nicht a priori schlecht. Wir sind ja soziale Wesen, wie die Ameisen, die auf rätselhafte Weise sterben, wenn sie zu lange allein. Das Problematische ist bloss, dass es Institutionen gibt, die diese gesellschaftlichen Willensbildungsmechanismen kapern können, heute meist nicht zugunsten der Einheit, sondern um Keile zwischen die Strömungen zu treiben, und aus der Reibung dazwischen Profit ziehen zu können (Statussymbole im weitesten Sinn). Durch die Jugendwerbung lässt man die Jugendlichen sich von der Gesellschaft abspalten, nun brauchen sie ihre ganz eigenen Produkte usw. Das Status-Zeichen, hinter dem nichts mehr steht, ist das ultimative Zeichen, der Herrensignifikant. Doch die Logos sind nicht selbst der Fetisch, sie verweisen - als ein allgemeines Problem der Sprache - auf den "grossen Anderen", da sie die Lücke zwischen ihm und den Bedeutungsketten (der Sprache) wieder besetzen. Der eigentliche Fetisch ist also: Sein wollen wie "der grosse Andere", d.h. der Bessere, der Stärkere, der Reichere, der Mächtigere. In einem korrumpierten System stützt diese ferngesteuerte Art der Willensbildung demnach nur die herrschenden Zustände.
HOLOZID GEGEN DIE SCHWACHEN
Es findet ein riesiger Holozid gegen die "Schwachen" statt, die das wirtschaftliche Tempo nicht mehr mitmachen und die Kälte nicht aushalten können. In Südkorea beispielsweise hat sich innert zehn Jahren die Selbstmordrate verdoppelt, parallel mit dem Aufkommen der Segnungen des Neoliberalismus. Alles dreht sich nur noch um wirtschaftlichen Erfolg und ist auf Wettbewerb ausgerichtet, die Südkoreaner haben die traditionellen Werte aus den Augen verloren. Aus einer kollektiven Gesellschaft sind Einzelkämpfer geworden. So viel Hass und Segregation und Zersiedlung: Kinder kommen in die Schule, Arbeitende in die Fabriken, Arbeitslose auf die Strasse, Kranke in die Spitäler, Alte ins Altersheim. Eine fragmentierte Gesellschaft, und die einzelnen Gesellschaftsgruppen bekämpfen einander auch noch gegenseitig. Theoretisch herrscht Chancengleichheit, aber praktisch werden z.B. Afroamerikaner und Menschen aus tiefen sozialen Schichten nach wie vor unterdrückt. "Intelligenz" ist eine Verschwörung, da ihre Erweckung auch von den Umständen des sozialen Umfelds abhängt - sie muss erkannt und anerkannt werden. Es ist nach wie vor wenigen Leuten bekannt, dass ein Afroamerikaner beispielsweise die Ampeln erfunden hat. Stattdessen verbreitet man bei der CIA lieber ein gefälschtes "Black Panther"-Malbuch mit Gewaltdarstellungen, um Afroamerikaner zum diskriminieren.
DAS NETZ ZIEHT SICH ENGER Nicht verwunderlich, dass wir permanent auf der Flucht sind (Und trotzdem nicht vorwärtskommen). Wir haben schnellere Transportmittel (trotzdem stehen wir die Hälfte der Zeit im Stau.) Wir haben dutzende Kommunikationsmittel, aber sind nicht entsprechend besser erreichbar (Facebook scheint uns zu einen, trennt uns aber). Die Geschwindigkeit, in der etwas geschieht, kann die Natur des Geschehnisses ändern. Es ist ein System, das das Individuum gegen die Gesellschaft stellt. In einem Test wurden verschiedene Generationen mit folgender Aussage konfrontiert: "Ich muss mir in dieser Welt nehmen, was ich kriegen kann, denn niemand wird mir etwas schenken". Von der Generation der "Reifen" (1909-45) bejahten erst 1/3, von den Babyboomern (1946-64) 1/2, von der Generation X (ab 1965) schon 2/3.
Du übernimmst die brutaldarwinistische Denkweise der Konzerne, die für Deine soziale Unsicherheit überhaupt erst verantwortlich sind, und wirst ebenfalls härter, gieriger und zielbewusster - "just do it". Aber was ist, wenn jemand NICHT der nächste Branson oder Gates werden möchte? Warum sollte so jemand sich noch für die Konzerne engagieren, die sich ja ihrerseits auch von ihm losgesagt haben? Dass es keine Identifikation mit dem Arbeitgeber mehr gibt, weiss jeder, der schon mal 15 Minuten nach Ladenschluss in einem Einkaufszentrum war, und die Schlange der Niedriglohnverkäufer gesehen hat, die mit geöffneten Taschen und Rucksäcken anstehen um sich filzen zu lassen. Schon 1998 wurden 42,7 % der Waren im US-Einzelhandel von Angestellten entwendet... Man ist nun also isoliert, in die Enge getrieben, und kann sich auf niemanden mehr verlassen.

FLUCHT ZWECKLOS
Aber wohin sollte man flüchten? Im Kapitalismus sind sogar die Aussteigerpläne vorprogrammiert - Freiheit ist: Mit einem roten Cabriolet durch Sonnenblumenfelder fahren. Das ist in etwa das Bild, das uns durch die Werbung eingeprägt hat. Lustigerweise scheint Freiheit immer einen Ortswechsel zu bedingen. Kann man denn nicht an Ort und Stelle frei sein? Die Wahrheit ist, dass wir bereits frei sind (auf eine Art). Es ist die Freiheit im Freiheitsverständnis des Neoliberalismus: Die Freiheit, nicht zu arbeiten und mit der absoluten Sinnlosigkeit konfrontiert zu sein, die Freiheit, ledig zu vereinsamen, die Freiheit, die sagt: "Du könntest, du könntest aber auch nicht, es ist mir eigentlich egal, was du tust, und ob es dich überhaupt gibt." Viele Menschen sind auf der Arbeit glücklicher als in ihrer Freizeit - Nicht weil sie ihre Arbeit so sehr liebten, sondern einfach weil sie nicht wissen, was sie mit ihrer Musse tun sollen.
ABULIE UND RESIGNATION
Im neoliberalimusverherrlichenden Propagandafilm "Free To Choose" jubelt der Schauspieler Arnold Schwarzenegger "You are free to choose". Wenn Du in einen heutigen Laden gehst, hast Du die Qual der Wahl. Abulie, Entscheidungslähmung ist die Folge. "Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen sollt, noch um euren Körper, wie ihr euch kleiden sollt. (...) Beobachtet die Feldblumen, wie sie wachsen; sie mühen sich nicht und sie spinnen nicht. Aber ich sage euch, selbst Salomon in all seiner Herrlichkeit war nicht so bekleidet wie eine von diesen. Wenn aber Gott das Gras, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, nicht viel mehr euch, Kleingläubige?" Lukas 12,22 Während des afrikanischen Apartheidregimes musste man, um gleichgültige Untertanen zu bekommen, noch plump die Droge Mandrax in grossem Stil unter die Leute bringen, auch um Aufstände in den Townships zu verhindern. Die heutige Sucht nach Emulgatoren und PCB wirkt dagegen wesentlich subtiler (u.a. über eine Schwächung des männlichen Testosterons). Letztlich spielt es also keine Rolle, welches Produkt man kauft (nur die Etiketten sind verschieden), alle beeinhalten diese Emulgatoren. Politisch geschieht interessanterweise etwas ganz Ähnliches: Vordergründig scheint man die Wahl zu haben, aber eigentlich steht jede Partei für dasselbe.
MARKTFORSCHUNG UND POLITISCHE PR
Die Regierung analysiert die Stimmung der Bevölkerung über die "Marktforschung". Manchmal ist in seitenlangen Fragebögen nur eine einzige Frage relevant für sie (irgendwo versteckt zwischen unverfänglichen Markenfragen, die deine Meinung zu einer politischen Sachfrage offenbart). Die Marken-Abulie wird gefördert, weil sie auch politisch zu einer Orientierungslosigkeit führt, die das gegenwärtige System stützt. Nicht nur macht die Regierung Werbung, sondern umgekehrt machen auch die Werber Politik, bestimmen sie massgeblich mit. Marketing kann in diesem Land sogar an Universitäten studiert werden!!!
ABLENKUNGSTAKTIK
Das öffentliche Bewusstsein im Kapitalismus wird sehr stark auf kleine und mittlere Probleme und Detailfragen fixiert: Übergewicht, Stottern, Akne. Alle Leute haben ein Problemchen, da verleugnen wir doch lieber das Hauptproblem, den eigentlichen Schaden, den die Gesellschaft als Ganzes hat. Und wenn einer nach der Sendung noch stottert, ist er einfach selber schuld...
MENSCHLICHES AUSSCHUSSMATERIAL
Die SVP ist dagegen, dass Betriebe eine Mindestquote von IV-Rentnern eingliedern müssen... Da frage ich mich: „Gibt es also doch wirkliche Invalide?“ Ansonsten ist auf den SVP-Plakaten ja immer nur die Rede von Scheininvaliden... Das neoliberale System schliesst 25 - 60 % der Bevölkerung kategorisch aus. Wenn eine so selektive Gesellschaft geformt wird, quillt immer ein bisschen Teig unter der Form hindurch. Und dieser Teig beginnt jetzt langsam zu gären.
JOKE JOBS
Ich musste Webseiten gestalten, die nie online gingen! Ich hatte auch schon einen Ctrl+C/Ctrl+V-Praktikantenjob, bei dem ich herumsitzen und wochenlang für schleierhafte Zwecke Adressen aus Telefonverzeichnissen rauskopieren sollte, die Abteilungsleiterin teilte mir keine richtige Arbeit zu, ausser den Büroboden aufnehmen konnte ich wenigstens, und die Pflanzen giessen. Boreout, bis ich eines Tages daran zerbrach. Schlussendlich wusste ich nichtmal ob das "Mobbing" hätte gewesen sein sollen, oder ob es üblich ist. Ich klagte nicht - Die Gerechtigkeit eines Gerichts ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Die meiste Arbeit ist geisttötende. Selbst die "geistige" Arbeit kann im Kapitalismus geisttötend sein, ein Strassenwischer hat wesentlich mehr Freiraum zum Denken, kann seine eigenen Gedanken machen, statt die schädlichen Gedankengänge und Arbeitsabläufe eines Industriellenbüros nachvollziehen zu müssen.
HEADHUNTER UND FREELANCER
Es gibt gefälschte Headhunter-Firmen (Das ganze Büro ist gefälscht, sogar die Familienfotos auf dem Tisch!), die „hohe Tiere“ mit Stellenangeboten ködern, um sie dann am fingierten Vorstellungsgespräch auszuhorchen Die Stelle gibt es nicht, das Personalbüro ist nur gemietet, das Familienfoto auf dem Tisch gefälscht. Alles, um an Insider-lnformationen der Konkurrenz zu gelangen. Das Wort "Headhunter" bedeutet nicht wie oft angenommen "Kopfgeldjäger". Gemeint sind vielmehr die "Kopfjäger", z.B. auf Borneo, die Köpfe abhacken und sammeln... Und das Wort Freelancer stammt aus der Zeit, als man „Lanzknechte“ für Schlachten mieten konnte.
POSTINDUSTRIALISIERUNG
Der Westen wird immer mehr zur postindustriellen Gesellschaft, er stellt selber nicht mehr viel her. Die letzten Fabriken, die noch in den USA und Europa geblieben sind, setzen ihre Arbeiter mit der Drohung des Arbeitsplatzexports unter Druck. Manchmal bringt man - um Psychoterror auszuüben - Versandaufkleber mit einer chinesischen Adresse an den Ausrüstungsgegenständen der Fabrik an, oder hängt eine Landkarte auf, auf der ein Pfeil Richtung Arbeitsplatzexportland zeigt. All die grossen Schweizer Firmen sind mittlerweile zerschlagen: Revox, Feldschlösschen, Victorinox und Ruag können nur noch überleben, indem sie sich Staat und Armee anbiedern, zum Teil sogar ausländischen Armeen. Ruag-Munitionskisten wurden in Lybien gefunden, die Pilatus-Flugwerke exportierten bombenfähige Flugzeuge in Kriegsgebiete usw.
WERBUNG WIRD UNSICHTBAR
Einmal hatte ich die Idee, Webseitenbetreibern die Rechtschreibkorrektur ihrer Seiten anzubieten. Mit Stichproben warb ich - und stiess auf viel Resonanz: Ich bekam gehässige Mails. Aber die allgegenwärtige Werbung von Starbucks & Co. stört niemanden. Wir bieten ihnen geradezu an, unsere Gehirne zu ficken. Man bräuchte eine Werbung, so gross, dass niemand mehr erkennt, dass es eine Werbung ist. Der Grosse hat das Recht zu werben, denn er muss noch grösser werden. Daewoo heuerte 2000 Studenten als "Street Distributers" an, die ihren Freunden ganz kollegial ein Auto aufschwatzen sollten, Werbung wird immer subtiler. Guerillawerbung wird im Alltag versteckt, ein Hotelportier soll Päckchen eines Versandhauses neben sich hinstellen usw. Webseiten werden von "Content Developpern" geschrieben, diese Inhaltsentwickler haben die Aufgabe, redaktionelle Texte zu verfassen, die für die Anzeigen der Markenfirmen einen ansprechenden Rahmen ergeben. Z.B. für eine schein-neutrale Computerseite einen Artikel über Datenarchivierung, dessen Zweck letztlich das Anpreisen von Dell-Festplatten ist.
TEUFELSKREIS DER NICHTIGKEITEN
Eines lehrt die Firmen das Fürchten: Die vereinte Konsumentenmacht. Deshalb wollen sie diese schmälern, auch mit langfristigen, subtilen Mitteln. Sie implizieren dem Konsument, was eine "Philosophie der Nichtigkeiten" (bzw. "Sinnlosigkeit"/"Vergeblichkeit", engl. "Philosophy of futility" genannt wird. Man will damit unsere Aufmerksamkeit auf die unbedeutenden Dinge im Leben richten, z.B. auf die modischen Konsumausgaben, den Konsum zum Zeitvertreib. (Der Drang, dies zu tun, wird erst recht auch durch die Monotonität im Arbeitsalltag angeheizt, zu deren Ausgleich wir dann wieder viel Mode nötig haben, weil dem Alltag ebenjene Schönheit fehlt.) Sie schaffen diverseste künstliche Bedürfnisse, sprengen die kollektive Macht der Kunden. Der Kunde bemerkt die Falle nicht, und nimmt die Mode dankend an, denn er will ausmalen, was leer ist – Angst vor der Leere. Horror Vacui.
TEILE UND HERRSCHE!
Margreth Thatcher sah sich einst mit widerspenstigen Demokraten konfrontiert, die oft in Wohlfahrtswohnungen wohnten. Sie veranlasste, dass die Linkswähler die Wohnungen billig kaufen konnten. So wurden die Demokraten zu Republikanern! Das Ziel ist es, Individuen zu haben, die total voneinander separiert sind. Individuen, deren Wertmasstab so ist, dass ihr Selbstverständis und Selbstwertgefühl hauptsächlich von einer Frage abhängt: "Wieviele Wünsche kann ich befriedigen?" Ein Teufelskreis, denn der Wunsch nach neuen Konsumgütern führt wiederum zu mehr Industrie, und mehr Industrie wiederum zu mehr Konsum...
LUXUSBETTLER
Ich traf einmal eine rundliche Frau in der Nähe des Bahnhofs, sie stellte sich mir in den Weg und radebrechte: "Ganze Familie arm, Wohnung rausgeworfen, kein Geld müssen Miete bezahlen" Ich gab ihr eine Handvoll Münz. Wortlos starrte sie mich an: "Aber das sind fumf Franken, das reicht für einen Kaffee..." (Andere Leute singen den ganzen Tag und bekommen nur ein paar Rappen!) Ich ging weiter ohne Worte, und mir wurde bewusst, dass sie Einkaufstaschen in der Hand gehabt hatte...
GESCHICHTE DES MARKETING
In den ersten Marketingkampagnen (für die damals noch neuen Autos, Telefone und Glühlampen) ab der Hälfte des 19. Jahrhunderts ging es wirklich noch um die Produkte an sich. Namen und Images waren noch unwichtig. Der Wettbewerb durch Markenartikel wurde aber später eine Notwendigkeit, weil der Markt voll mit einheitlichen Massenprodukten war. Aufgrund der fabrikmässigen Gleichheit musste eine auf dem Image beruhende Verschiedenheit erfunden werden. Ausserdem wurden sympathische Werbemaskottchen zur Schnittstelle zwischen Produkt und Kunde, da es nun keinen Krämer mehr gab, der das Mehl abwog und eintütete. Der legendäre Werbeagent Bruce Barton missbrauchte - als Pfarrersohn - religiöse Begriffe für seine Zwecke: "Werbung ist für mich etwas Grosses, Herrliches, etwas, das tief in eine Institution eindringt und ihre Seele ergreift" Auf Kleidern sah man früher nur selten sichtbare Logos, höchstens auf Golfplätzen. Mitte der 70er brach Izod Lacostes Alligator dann aus dem Golfplatz aus und eroberte die Strasse. Diese Entwicklung ging so weit, dass heute ein Tommy Hilfiger schon gar keine Kleider mehr herstellt, sondern quasi nur noch signiert (Jockey produziert in Wirklichkeit die Unterwäsche, Oxford Industries die Hemden usw.) Der Alligator hat sich erhoben und das reale Hemd geschluckt, das nur noch als sein Vehikel fungiert. Mitte 80er wurde von Managementtheoretikern die Idee entwickelt, wonach erfolgreiche Unternehmen keine Produkte mehr herstellen sollten, sondern Marken. Das eigentlich "Produkt" ist nicht der Schuh, sondern sein Image. Unternehmen des neuen Stils betrachteten sich fortan als "Sinnvermittler" und es wurden keine Waren mehr präsentiert, sondern Ideen. Nikes Mission etwa besteht darin "Das Leben der Menschen durch Sport und Fitness zu verbessern" und "den Zauber des Sports am Leben zu erhalten“. Swatch geht es nicht um Uhren, sondern um „die Idee der Zeit“. IBM verkauft keine Computer, sondern "Computerlösungen" für Unternehmungen. Die reinsten Marken gibt es heute im Internet: Sie existieren - vollkommen befreit von der realen Welt - als kollektive Fantasien. Firmen wie Sekten: Sie hausen in Monumentalbauten, haben eine lückenlose Designkonsistenz mitsamt Firmenhymnen, ihre CEOs treten wie Superstars auf. Ihre Leitbilder sind esoterisch angehaucht und sie haben bizarre Begriffe für ihre Angestellten (Barista, Partner, Mannschaftsmitglieder..) Marketing ist zu unheimlich vielem fähig: Mc Donald's bringt es mit seinem brillianten Marketing beispielsweise fertig, kleine Kinder anzusprechen, ohne dass dies die Jugendlichen abstösst, und Jugendliche anzuziehen, ohne dass Eltern und Grosseltern mit ihren Kleinkindern sich unwohl fühlen.
KULTURMARKETING
Die Deregulierungs und Privatisierungspolitik der 80er gab den Konzernen Aufwind bei ihren Eroberungsfeldzügen: Steuersenkungen liessen den öffentlichen Sektor ausbluten, Schulen, Museen usw. waren nun auf Werbepartnerschaften angewiesen. Mitte der 90er waren die Marketingprofis dann bereit für die nächste Stufe: Nicht mehr nur den eigenen Produkten das Logo aufdrücken, sondern auch der Kultur. Sie sponserten kulturelle Veranstaltungen und beanspruchten damit Teile der Kulturwelt als Brückenköpfe für ihren Markennamen. Sie haben einen unbändigen Hunger nach kulturellen Ideen und Metaphern, die sie aufsaugen und als Markenerweiterung wieder in die Kultur zurückspeien. Firmenlogos sind inzwischen so etwas wie eine Weltsprache geworden und man versteht sich grenzenlos über Marken, Sitcoms, Werbespots. Ein Mathebuch in den USA war gespickt mit Markenartikeln, die Schüler mussten z.B. den Durchmesser eines Oreo-Kekses ausmessen. Elternvertreter stiegen auf die Barrikaden und waren empört über die "Werbung". Aber es war keine Werbung, sondern die Autoren rechtfertigten sich, man habe den Schüler mit Bezügen aus seiner eigenen Lebenswelt ansprechen wollen, damit er merkt: "Hey, Mathe gibt es wirklich!"
PUBERTÄT - NEU AUCH FÜR ERWACHSENE UND KINDER
Lange Zeit lebten diese Industrien von den Hippies und Yuppies. Um 1992 stieg die Zahl der Teenager in den USA an, und es fand ein Umdenken statt. Um die minderjährige demografische Gruppe zu erreichen, muss man sich ein cooles Image zulegen. Die quälenden Zweifel der Adoleszenz sind damit zur Millionen-Dollar-Frage unseres Zeitalters geworden: "Bin ich cool?" Jugendmarketing ist immer wichtiger geworden, denn gerade heute gibt es global gesehen überproportional viele Teenager (oft aufgrund von Kriegen oder niedriger Lebenserwartung). In Chinas armen Familien werden zwar wenig Konsumgüter verbraucht, aber es herrscht das "Kleiner Kaiser"-Phänomen, auch bekannt als "4:2:1-Phänomen": 4 Grosseltern und 2 Eltern sparen, damit aus ihrem (männlichen) Kind ein MTV-Klon werden kann. Die Konzerne müssen Traditionen bekämpfen, und das Bild von DEM Teenager festigen und rebellisch konnotieren, womit sie einen Keil zwischen Generationen treiben, gerade damit die Jugendlichen sich eingeengt fühlen. In einer koreanischen Diesel-Werbung nehmen sich Jugendliche das Leben und verwandeln sich in Vögel - sie finden die Freiheit in der Marke.
HOMOGENISIERUNG
Als sich die Märkte zusehends global öffneten, sah man sich mit einem Problem konfrontiert: Soll man die Werbung auf jedes Land individuell zuschneiden (teuer), oder allen Ländern dieselben amerikanischen Stereotypen aufzwingen? Weder noch! Die Entdeckung der Vielfalt bot einen Ausweg aus dem Dilemma, Werbungen sind heute in einem preiswerten uniformen Multikulturalismus gehalten. Was für eine Ironie: Ausgerechnet Vielfalt ermöglicht die Homogenisierung!
EXPANSIONSHUNGER
Starbucks wendet die "Cannibalization"-Expansionsstrategie an: Man erobert zuerst ein Gebiet fertig, bevor man sich ans nächste Gebiet macht. Das Signal, dass man weiterziehen kann, ist erst gegeben, wenn ein Gebiet so stark mit Starbucks gesättigt ist, dass sogar die Umsätze in den eigenen Läden sinken!
ALDISIERUNG vs. MARKENWUCHER
Praktisch das Gegenteil der teuren Marken sind Ketten wie WalMart. Aufgrund riesigen Einkaufsvolumens kann WalMart Artikel zu Preisen verkaufen, die bisweilen sogar unter dem Einstand der Konkurrenz liegen. Strategie ist es, Amerika mit "Clustern" billiger Läden zu überziehen. An billiger Lage, wo sie nur mit dem Auto zu erreichen sind, über Strassen ohne Gehwege, durch passantenlose Betonwüsten. Diese wecken dann wieder das Gegenbedürfnis nach einer am Menschen orientieren Einzelhandelsform mit mehr Interaktion: Starbucks, Niketown usw. So besteht eine Symbiose zwischen Discountern und Markenfirmen: Wo Walmart&Co ihre Grösse benutzen, um grosse markenlose Warenmengen zu bewegen, setzen Nike&Co ihre Grösse ein, um Marken zu einem Fetisch zu machen. Discounter ersetzen gemeinschaftliche Werte durch Billigpreise. Marken hingegen schaffen dann das Gemeinschaftsgefühl neu und verkaufen es teuer. Dazwischen zerrieben werden die kleinen unabhängigen Unternehmen.
KORRUPTION DES ÖFFENTLICHEN LEBENS
Das Resultat der Machtkonzentration der Firmen: Zensur und Ausbeutung. Ausserdem verflacht die Kultur. Früher waren Plattenfirmen dem Verdikt der Plattenläden und der Musikzeitschriften ausgeliefert - heute besitzt das Label Virgin seine eigenen Läden und Sender. Der Konzern setzt sich somit über ganze Phasen der Verbraucherauswahl hinweg! Es werden Einkaufszentren nach amerikanischem Vorbild gebaut, die nicht mehr Marktplatzförmig sind, sondern modular aufgebaut - Einkaufszentren, in denen man leichter "aneinander vorbeikommt".
INFORMATIKBERUFE ALS RETTUNG?
Das Märchen vom guten Arbeitgeber Microsoft ist vorbei. Der erlauchte Kreis der ursprünglichen Mitarbeiter ist abgeschottet worden und seit mehr als 10 Jahren wurden in diesen harten Kern nur vereinzelt neue Gesichter aufgenommen. Dank "Komplettlösungen durch Personaldienstleister" ist Microsoft dabei, ein Unternehmen ohne Angstellte zu werden. Microsoft hat schon 1/3 seines Personal zu Aushilfen degradiert. Eine Zweiklassenbelegeschaft: die Alteingesessenen "MicroSerfs" (Mikrosklaven) und die "PermaTemps" (dauerhafte Temporäre). Microsoft verlor einmal einen Prozess, in dem das Gericht befand, die "unabhängigen Auftragnehmer" hätten gleiche Rechte. Der Konzern bemüht sich seither nur noch stärker, seine Aushilfen deutlich auszugrenzen, sie dürfen nicht mehr an Firmenfeste usw.
UNBESTÄNDIGKEIT VERHINDERT, DASS ARBEITER SICH ORGANISIEREN
Es herrscht ein Gefühl der Unbeständigkeit in der Arbeitswelt. Sogar die CEOs haben oft nur kurze Gastspiele für ganz bestimmte Schlüsselaufgaben, gerade Entlassungen vornehmen. Es entstehen immer mehr "Joke Jobs" - der Trottel mit dem gefrorenen Joghurt, der Orangenauspresser, der Grüsser usw. Meist sind das Teilzeitstellen. Die Flexibiliät der Teilzeitarbeit ist zweigleisig. Sie kann z.B. von jungen Müttern sehr geschätzt sein, aber es gibt auch eine Flexibilität im Sinne der Konzerne: Es kann bei Starbucks sein, dass jemand um 5 Uhr antreten und nach der Stosszeit um 9:30 wieder gehen muss, weil er danach "ineffizient " wäre. Denn Starbucks nutzt sein Programm "Starlabor", um zu registrieren, wer wann wieviel von welchem Kaffee verkauft. So werden die oft nur wenige Stunden langen Schichten auf den optimalen Verkauf zugeschnitten. Fastfood und Einzelhandel gelten nicht mehr als Berufe für Erwachsene. Diese Menschen stecken in einem Widerspruch, sie sagen sich "Ich bleibe nur kurz, und suche etwas Besseres". Das ist den Arbeitgebern recht: Niemand will dann Lohnerhöhungen oder Aufstiegsmöglichkeiten. Nicht wenige arbeiten heute sogar umsonst, besonders im Medienbereich. Von CBS, MTV und auch von den deutschen Privatsendern ist solches bekannt. Das sind manchmal noch nicht einmal richtige Volontariate, die Volontariate werden erst in Aussicht gestellt. Es wird vermutet, dass das Praktikantentum dazu führt, dass die Medien im Endeffekt von der Elite beherrscht werden, weil Kinder armer Eltern es sich nicht leisten könnten, ein Jahr oder zwei nichts zu verdienen. Sie fordern längere Öffnungszeiten für Läden, hingegen sind die Banken nach wie vor nur während der Arbeitszeiten offen. Der Arbeiter soll keine Bankgeschäfte tätigen können.
(Individualisierung = Ich-pod, Ich-phone, Ich-pad) (andere Leseart: Eye-pod, Eye-phone, Eye-pad)
Geräte mit eingebautem Verfalldatum werden herausgebracht, oder Produktsabotage an den eigenen Produkten findet statt: Man hätte z.B. bereits das neuere IPhone gehabt, aber stutzte dann dessen Fähigkeiten absichtlich zurück, um zuerst mit einer Zwischenversion Geld machen zu können, und alle Geräte in strategisch gestaffelten Hypes rauszubringen

SPRACHE UND MEDIEN

SPRACHE UND MEDIEN

Das Fernsehen lehrt uns durch seine Dramaturgie, wie man die Tatsachen darstellen muss, nicht wie sie sind. Das Fernsehen hat eigentlich die Realität zu spiegeln und der Information und Bildung des Volkes zu dienen, statt eine blosse Selbstbefruchtungsmaschine voller Hartmann-Epiney-Emotionsfixerei zu sein. Ich glaube, dass der Mensch sich - kraft seines Bewusstseins - über seine tierische Natur erheben muss.
HERRSCHAFT DURCH SPRACHE
Wörter ertrinken als leere Worthülsen im Brackwasser der Beliebigkeit. Sprache ist mehr denn je ein Instrument der Gedankenkontrolle. Das Ganze geschieht heute zwar viel subtiler als früher, aber es geschieht nonstop. Analysiere Deine Sprache! Es ist aufwändig, doch zahlt sich aus. Es gibt immer jemanden, der Deine Gedanken beherrscht. Du kannst bloss entscheiden, ob Du es selbst tun willst, oder ob Du es jemand anderem überlassen willst... Die Medien können Personen krönen oder stürzen. Viele Reportagen sind zu diesem Zweck arrangiert. Die freien Medien sind nicht neutral, denn gerade weil sie frei sind, können sie von Fremdinteressen gekapert werden. Glaubst Du an Fiktion?
UMDEUTUNG UND VERHARMLOSUNG
In der Sprache werden soziale Verhältnisse ausgedrückt. Wer die Sprache beherrscht, hat die Herrschaft errungen. Über die Sprache werden die Werte, Normen und Auffassungen der Herrschenden übernommen, sogar verinnerlicht. Mit ihrer Sprache, mit ihren Begriffen schaffen sie Wirklichkeit. Führer versuchen, eine Zivilreligion zu erschaffen, indem sie getarnt religiöse oder sexuelle Begriffe zweckentfremden (Achtet auf ihre Wortwahl!) Es wird nicht mehr von Stellenabbau, sondern von „Verschlankung“ gesprochen. Eine euphemistische Wortwahl transportiert Politik – und zwar eine reaktionäre Politik. Die Neoliberalen spielen ein raffiniertes Spiel mit Konnotationen und Assoziationen zu Wörtern wie „Flexibilität“, „Anpassungsfähigkeit“, „Deregulierung“ oder „Freiheit“. Man stiehlt dem Bürger sogar die Gegenbegriffe, die er bräuchte, um Alternativen zu formulieren.
„Die Dinge falsch benennen, heißt das Unglück der Welt zu vergrößern“ Albert Camus
Humankapital = Zur Produktion braucht man neben dem Kapital auch das "Humankapital", also nicht mehr "Menschen" oder "Arbeiter". Selbige werden dadurch entseelt und wie Maschinen eingesetzt.
Sachzwanglogik = Unpopuläre Entscheidungen werden damit entschuldigt und gerechtfertigt, dass ein Sachzwang vorgeschoben wird. So wird die Kürzung von Sozialausgaben bisweilen als scheinbar objektive Notwendigkeit bezeichnet, die selber keiner politischen Diskussion mehr unterliegen kann.
Sinn machen = Sinn machen die Sinnmacher, um andere von ihrem „Sinn“ ausschliessen zu können. Sinn muss aber gar nicht "gemacht" werden. Sinn umgibt uns überall, bloss sehen wir ihn erst, wenn wir wieder wirklich frei sind und solidarisch. Sinn kommt von den Sinnen, vom Wahrnehmen und vom Denken.
RELATIVITÄT ALLER WÖRTER
Sogar eine einzige Redewendung wie "Carpe diem" kann auf zwei ganz verschiedene Weisen verstanden werden: Es hängt von unserer Kultur ab, und wie sie es verstanden haben will. Was soll es bedeuten? Geniesse das Leben? Falls Ja: Wo? Shopping? Natur? Falls Nein, kann man es auch verstehen als: Arbeiten. Aber arbeiten für wen? (usw.)
Sie sagten mir einmal auf einer Informatiker-Schnupperlehre, dass ich "geistig unflexibel" sei. Das war nur eine Worthülse, sie hätten das nicht erklären können. Es war Diskriminierung, weil sie keine Behinderten wollten. Ich hätte sie dafür verklagen können oder so. Aber selbst die Gerechtigkeit des höchsten Gerichts wäre nur ein Tropfen auf den heissen Stein gewesen. In der Arbeitslosigkeit und dem dadurch begünstigten sozialen Tod lebte ich bald nur noch in der Reflektion, brach aber auch noch durch diese tausend Spiegel hindurch, und jeder Splitter reflektierte Myriaden anderer Splitter. Meine Welt begann sich aufzulösen. Und dadurch auch die Begriffe. Ich fand heraus, dass alle Adjektive relativ sind. Besonders menschliche Eigenschaften sind relativ. Ist jemand schnell? Langsam? Kommunikativ? Unkommunikativ? Stark? Schwach? Es kommt immer darauf an, in welcher Hinsicht.
Dies ist vermutlich der Grund dafür, dass Marx und Lenin aufhörten, in allgemeinen Kategorien zu sprechen. Statt "Freiheit" zu verlangen, fragten sie sich: "Freiheit WOZU? Freiheit für WEN?" Sie sind Begriffe wie Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung ehrlich angegangen statt sie zu absolutieren, wie das heute in der Politik ausnahmslos geschieht.
MEDIEN
Die großen Presseagenturen, die Tagesschau und praktisch alle grossen Zeitungen selektieren Nachrichten vor, schneiden sie passend zusammen und präsentieren so eine Version der Realität, die nicht immer richtig sein muss. Wie können aber derart grosse Menge von Nachrichten kontrolliert werden? Die Zeitungen erhalten 95% ihrer Nachrichten und Meldungen von einigen wenigen großen Agenturen wie Reuters, dpa oder AP und verbreiten so nur, was diese vorgeben.
AUSSAGE DER MEDIEN
Die Botschaft aller heutigen Nachrichten ist: "Oh mein Gott!" Es ist so schrecklich, dass man nichts verändern kann, nur zuschauen! In der Zeit des Biafra-Kriegs und "Live Aid" dachten die Zuschauer noch, sie könnten die Politik verändern. In den Neunzigern konnten die Medien tausende von Fernsehzuschauern mobilisieren und die Welt vermeintlich mit Spendenkonzerten verändern. Das hörte mit dem Krieg der Tutsis gegen die Hutus auf, denn hier stellte sich heraus, dass die schwächere Seite ebenso grausam war wie die stärkere. Es gab keine "Guten" mehr, darum funktionierte diese Art von Journalismus nicht mehr. Sie hörten auf, Konflikte als politische Auseinandersetzungen zu präsentieren, die man verstehen konnte. Heute werden Konflikte nur noch als Illustration menschlicher Grausamkeit gezeigt. Und ansonsten, präsentieren die öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten „Soft News“ - also Emotionen statt Fakten.
"Newsreels. Christ almighty. There's always a dumb horse race, and some dame breaking a bottle over a ship, and some chimpanzee riding a goddam bicycle with pants on." (Holden Caulfield in "Der Fänger im Roggen" von J.D. Salinger)
HYPERREALITÄT
"We will prefer the sign to the thing signified, the copy to the original, representation to reality, the appearance to the esscence... illusion only is sacred, truth profane." Ludwig Feuerbach

Hyperreal
Jahrzehnte nach diesem Zitat bemerkte Baudrillard, dass diese Prophezeiung wahr geworden war: Wir leben nur noch in einer Simulation der Realität! Die Welt, in der wir leben, wurde durch eine Kopie ausgetauscht. Die Massenmedien, einst geschaffen, um die Realität abzubilden, wurden so allgegenwärtig, dass wir sie als die Realität selbst wahrnehmen. Wir wurden so abhängig von den Medien, dass wir die echte Welt vergassen, auf der sie basierten. Die Medien sind jetzt eine Repräsentation ohne Original - ein Simulacrum. Sie ist nicht mehr real, sondern hyperreal - wie konnte unsrer Welt das zustossen?1. In der prä-modernen Ära konnte man Kopie und Original noch klar unterscheiden. Kein geflochtener Korb sah ganz genau wie der andere aus.
2. Im Zuge der industriellen Revolution wurde die Reproduktionstechnik verfeinert. Massenproduktion machte es schwierig, "Kopie" und "Original" auseinanderzuhalten.
3. In der postmodernen Ära wurde die Technik perfektioniert. Keine Unterscheidungsmöglichkeit zwischen Original und Repräsentation mehr. Massenkonsum und Massenkommunikation. Simulierte Erfahrungen und Gefühle.
Unsere Umgebungen beinhalten so viel künstliches Material, dass wir seine Gefangenen wurden. Bedruckt mit so vielen verschiedenen Mustern und Logos, die sich in unseren Gehirnen türmen. Der Krieg um den Geist wird in der Videoarena geführt. Das Fernsehen wurde Wirklichkeit und Wirklichkeit etwas Geringeres als Fernsehen. Das Individuum wird von der Simulation programmiert. Der Hyperrealismus besteht schon ohne Computer und Internet, aber diese verstärken alles noch. Photos sind Interpretationen der Welt durch einen Photographen, Grafiken durch einen Grafiker. Alles Geschriebene ist nur ein Gleichnis. Hinter diesen Bilder liegt also ein anderes Bild, das er oder sie zuvor gesehen hat - eine weitere Interpretation. Die einzige Wahrheit, die durch solche Bilder enthüllt wird, ist: Dass es keine Wahrheit gäbe. Vielleicht hast Du auch dieses unerklärliche Gefühl, dass etwas falsch ist. Wie ein Splitter in deinem Bewusstsein. Sitcoms, Computerprogramme, fernsehübertragene Kriege. Ein Fenster zur Welt? Die virtuelle Realität ist wie eine Eroberungskarte der Realität geworden. Diese Karte liegt heute so bildgetreu und gross vor uns, dass sie mittlerweile die richtige Landschaft genau überdeckt, oder sogar noch erweitert.
"The whole force of urban industrialism upon our tastes is to convince us that artificiality is not only inevitable, but better." Theodore Roszak ANGLIZISMEN Im 17/18. Jahrhundert war in Europa noch das Französische en vogue. Die Invasion englischer Wörter begann dann langsam im 19. Jahrhundert, als England das Land wurde, wo der industrielle Kapitalismus aufstrebte. Englische Einflüsse deformieren heute zahlreiche andere Sprachen, besonders auch Deutsch. Als besonders beängstigendes Beispiel englischen Einflusses seien zuerst die zunehmenden Deppenapostrophe und Deppenleerzeichen genannt: Was zusammengehörte, wird jetzt fälschlicherweise auseinandergeschrieben. Man kann im Deutschen alle beliebigen Nomen aneinanderreihen (durch Zusammenschreibung oder Koppelung per Bindestrich), nur Leerschläge innerhalb zusammengesetzer Wörter sind nicht erlaubt. Deren gehäuftes Auftreten, das die Sprache auseinanderfallen lässt und Wörter zerhackt (Das modulare Internet-Denken zwingt uns dazu), ist ein Beweis für die Schizoidisierung unserer immer autistischer werdenden Kultur.
- Es gibt auch versteckte Anglizismen. Z.B. "Da ist" („there is") statt "Es gibt" usw.
- Etwas, das gemacht ist, ist künstlich. Besonders wenn es Liebe ist...
- "eigentlich" wird durch "wirklich" verdrängt. Wir können das Wirkliche und das Eigentliche nicht mehr unterscheiden.
- Sie übersetzen mittlerweile schon englische Sprichwörter wörtlich: "Der frühe Vogel fängt den Wurm" statt "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst."
- Sogar englische Interjektionen werden übernommen: "ouch!" statt "autsch!", "honk!" statt "hup!", "shush!" statt "pst!", "meouw!" statt "miau!"...
- Englische Werbesprüche Hannover: 3 % in den 80ern, 30 % in den Nullerjahren
- Sogar englische Grammatik und englischer Satzbau werden übernommen.
Leider wird nicht vom höheren Englisch abgekupfert, sondern meist von einem ziemlich rudimentären Englisch. Der grosse "Vorteil" englischer Wörter: Weil weniger spezifisch als deutsche, sind sie vielseitiger verwendbar, man muss eine weniger genaue Sprache führen. "Stress" ersetzt mindestens drei Wörter auf einen Streich: Hektik, Belastung, sich ärgern, jmd. ärgern. Künstler ("Artist") = Darbieter, Sänger, Musiker, Artist, Interpret, Maler Event = Tanz, Vorführung, Rennen, Geschenis, Präsentation, Kaffefahrt... In Werbungen und Zeitungen wird jetzt jede Veranstaltung "Event" genannt. Warum? Pointiert gesagt: So können Marketingleute uns zu Veranstaltungen locken, ohne genau sagen zu müssen, worum es geht.
DEKONSTRUKTIVISMUS
Dekonstruktivismus ist ein nützliches Mittel, Manipulation in Aussagen zu durchschauen. Die Strategie besteht vereinfacht gesagt darin, bei der Interpretation einer Sache absichtlich die Pointe zu verfehlen, die ausgelegten Denkspuren zu verlassen, und scheinbare Nebensächlichkeiten zu analysieren. Zum Beispiel auf eine Mathefrage, wie lange Peter für die 50 Kilometer von seinem Agglomerationsblock aus zur Oberstadtvilla seines Chefs hat, wenn er mit 100 Stundenkilometern fährt, ist JEDE gutbegründete Antwort richtig, ausser "30 Minuten". Wichtiger wäre es, die Gegenfrage zu stellen: "Wieso muss immer der Arme für den Reichen springen?" Man sucht im Text nach kleinen versteckten Entschuldigungen, die die gegenwärtige Gesellschaftsstruktur zu stützen versuchen. Man analysiert auch nicht nur, was eine Aussage bedeutet, sondern genauso, was eine Aussage NICHT bedeutet.
HINTERGRÜNDE DES DEKONSTRUKTIVISMUS
Diese von Jacques Derrida geprägte Philosophie hat eine Schlüsselstellung zum Verständnis der Postmoderne, da sie die Postmoderne auch selber mitverschuldet hat. Im Wesentlichen sagt Derridas Zeichentheorie, dass alle Zeichen in der Sprache arbiträr seien, und ein Wort allein nichts bedeuten würde. All meine Kontakte zur Welt, all meine Wahrnehmung, alle kognitiven Prozesse geschehen über Zeichen. Wie wird Bedeutung gebildet? Das Wort "Heirat" beispielsweise wird von 2 Seiten her geprägt: - Seine Geschichte, also wie es von allen anderen Sprechern vor mir verwendet wurde - Seine Bedeutung im Zusammenhang mit anderen Wörtern: Ehemann, Ehering, Familie, Braut usw. Eine Wortbedeutung konstituiert sich relativ zu den Bedeutungen all dieser zugehörigen Worte, die es umgeben. Jedes Wort ist polysemisch, hat eine unendlich grosse Bandbreite möglicher Bedeutungen, hat eine riesige solche Aura aus Worten stets unsichtbar im Hintergrund. Derrida: "There is nothing outside context" (il n'y a pas hors-texte) Also ist die Bedeutung eines isoliert betrachteten Zeichens eigentlich immer abwesend, nur impliziert. Kein Argument ist die Bedeutung, aber jede Bedeutung bedeutet alle anderen. "Ich weiss nicht, was ich meine." Wenn man jemandem etwas sagt, muss man, um die gewollte Bedeutung zu übermitteln, alle anderen möglichen Bedeutungen unterdrücken. So gesehen ist jede Aussage eine Lüge, denn man gibt vor, dass keine Komplexität besteht. Jede Präsentation ist eine Repräsentation. Die ganze Welt, selbst der Fussboden, ist infestiert mit Zeichen, Konzepten. Wenn man spricht, ist die Bedeutung in den Zeichen, nicht in dem, was man ursprünglich im Kopf hatte. Sogesehen ist Bedeutung unkontrollierbar.
MEDIENMANIPULATION IN LATEINAMERIKA-BERICHTERSTATTUNG
Boliviens Evo Morales, der erste indigene Präsident und von vielen gefeiert, erscheint kaum in den westlichen Medien. Hugo Chavez, der mit dem Bolivarismus Venezuela revolutioniert, wird in unseren Medien bestenfalls als liebenswürdiges Grossmaul und lustiger Diktator dargestellt. Als Venezuela im Mai 2007 die Lizenz für den TV-Sender RCTV nicht verlängerte, beklagte die westliche Presse einstimmig den Verlust der Meinungsfreiheit (“Chavez macht letzten regierungskritischen Sender dicht“). Keine Rede war davon, dass 80 % der Sender in privater Hand blieben, wovon die meisten gegen die Regierung opponieren, ja einige während des Putsches 2002 sogar zum Mord an Chavez aufgerufen hatten. Ausserdem hatte Chavez nur die abgelaufene terrestrische Sendelizenz nicht verlängert, per Kabel und Satellit durfte RCTV weiterhin senden! Bei den Superreichen, denen der Privatsender gehört, ist Chavez unbeliebt, weil er den Ölreichtum des Landes breit zu verteilen versucht. Dutzende Auftragsmörder aus dem konservativen Kolumbien sind gegen Chavez aufgestachelt. Die Lüge von der Puente Llaguna: Am 11. April 2002 fand ein von der USA-unterstützer Putschversuch gegen Hugo Chavez statt. Um den Putschversuch anzuheizen, verbreiteten die privaten Medien Venezuelas Lügen: Chávistas hätten auf einen friedlichen Demonstrationszug von Oppositionellen geschossen und mehrere getötet. Bloss: Es gab keinen Demonstrationszug auf der Straße unter der Brücke! Der kam dort nie vorbei. Schon vor den Schüssen und den Toten wurde eine Erklärung mehrerer hoher Militärs aufgenommen, die dem Präsidenten ihre Gefolgschaft verweigerten, weil „das Blut friedlicher Demonstranten an seinen Händen” klebe. Wie ein Journalist von CNN vor laufender Kamera aussagte, war diese Erklärung schon lange vor dem Vorfall gefilmt worden. Zum Zeitpunkt der Erklärung gab es noch gar keine Toten! Und diese Toten stammten von ein paar mysteriösen Scharfschützen auf den Dächern, die sowohl Chavez-Anhänger als auch Gegner beschossen. Alles war inszeniert um den Putsch moralisch gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Meinen sie das, wenn jetzt manche nach „Pressefreiheit” rufen? Künstlerische Freiheit im Umgang mit der Wahrheit?
RUFKAMPAGNEN
Es wurde beispielsweise die Kampagne “This is Zionism” verbreitet, die Israelis beim Verrichten wohltätiger Arbeit zeigt, ganz friedlich. Das Ziel des Faschismus ist ja gerade der Frieden - nachdem alle Gegner getötet, verdrängt, umgepolt wurden, und es nur noch "eigene Leute" gibt - eine sehr zynische Kampagne. Vermutlich stammt die Idee von gemässigteren israelischen Kräften, während die rechtsradikalen Kräfte nach wie vor Krieg wollen. Aber ein Verbrechen gegen ein ganzes Volk können nicht durch ein paar gute Taten an herzigen Waisenkindern gerechtfertigt werden, die jetzt aus schlechtem Gewissen begangen werden. Es ist wie wenn Bill Gates Geld spendet. Wie Slavoj Zizek sagt: Es ist wie mit Schokolade, zuerst gibt sie Verstopfung, dann Durchfall. Solche Entwicklungshilfe schadet ausserdem oft mehr, als sie nützt. Beispielsweise wenn die Bauern ihre Ernten nicht mehr verkaufen können, da subventionierte Nahrung verkauft wird.
SUBJEKT-OBJEKT-PRÄDIKAT
Subtile Manipulationen am Satzbau werden von den neoliberalen Medienagenturen dpa, AFP und Reuters systematisch betrieben: Es spielt wahrnehmungsmässig unbewusst eine Rolle, ob "Autonome sich Scharmützel mit der Polizei lieferten", oder umgekehrt die Polizei mit den Autonomen... Auch die deutsche Regierung gibt seit Jahren sowohl intern als auch an Journalisten sogenannte “Sprachregelungen” heraus, in denen genau definiert ist welche Begriffe für was verwendet werden sollen.

KULTUR

KULTUR

Kultur macht den Menschen zum Menschen. Kultur ist nicht notwendig - aber sie macht das Leben erst lebenswert. Sie hat keinen Zweck - aber nicht keinen Sinn. Es ist wichtig, die Kultur zu verstehen, wenn man die Welt verstehen will. Wieso? Nur schon aus folgendem Grund: Im Feuilleton kann sogar ein abhängiger Journalist Klartext schreiben und seine Meinung durchscheinen lassen - denn Kulturschaffende sind keine "Pressure Group"...
EXISTENZIALISMUS
Ein grosser Meilenstein in der Nachkriegs-Kulturgeschichte war eine philosophische Bewegung namens Existenzialismus. Seine Wegbereiter waren die Existenzphilosophen Heidegger, Kierkegaard, Jaspers und Hegel. Frühe Vordenker waren der Nihilist Nietzsche und der Dichter Dostojewski. Der Existenzialismus wurde in Form des "französischen Existenzialismus" von Jean-Paul Sartre und Albert Camus vollendet. Der Existenzialismus besagt, dass die Existenz der Essenz vorausgeht. Das bedeutet: Die Dinge SIND einfach. Ein Baum wurde nicht für einen Zweck geschaffen, er existiert einfach. Es gibt keinen vorausplanenden Gott, der diesen Baum mit dem Hintergedanken geschaffen hat, dass man später einen Einbaum daraus schnitzen solle. Dasselbe gilt für die Menschen - der Mensch ist in seine Existenz "geworfen". Wenn hingegen der Mensch etwas schafft, ist es genau umgekehrt: Wenn ich ein Papierflugzeug falte, existiert das Papierflugzeug zuvor schon als Idee in meinem Kopf. Der Existenzialismus besagt aber, dass es bei der Schöpfung der Welt eben umgekehrt ablief. Das bedeutet folglich auch, dass es keine fixen höheren Werte gibt. Somit ist der Mensch radikal frei, er ist "zur Freiheit verdammt", was eine grosse Verantwortung ist. Der Mensch muss "sich selbst entwerfen". Man muss moralische Entscheidungen fällen, und sieht sich mit Phänomenen wie Absurdität, Ekel, Angst, Sorge, Tod und Langeweile konfrontiert. Jean-Paul Sartre, der den Nobelpreis abgelehnt hat (weil dieser "bourgeois" sei), beschreibt den "Ekel", der einen befällt, wenn man die philosophische Erkenntnis hat, dass alles im Leben zufällig entstanden ist.
„Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord. Sich entscheiden, ob das Leben es wert ist, gelebt zu werden oder nicht, heißt auf die Grundfrage der Philosophie antworten. Alles andere – ob die Welt drei Dimensionen und der Geist neun oder zwölf Kategorien hat – kommt später. Das sind Spielereien; erst muss man antworten.“ Albert Camus
„Die Hölle, das sind die anderen“ Sartre
„Das Absurde kann jeden beliebigen Menschen an jeder beliebigen Strassenecke anspringen, es entsteht durch die Entzweiung des sinnstrebenden Menschen von einer sinnleeren Welt“. Albert Camus
FALSCH VERSTANDENER EXISTENZIALISMUSKein Buch wurde so häufig missverstanden wie "Der Fremde" von Albert Camus. Es handelt von einem gleichgültigen Mann namens Meursault, der in den Tag hinein lebt und durch dumme Zufälle einen Araber umbringt, weil die Sonne ihn geblendet hat. Er wird zum Tod verurteilt und wartet auf seine Hinrichtung, verwehrt sich aber dem Gefängnispriester. Er will dessen Trost nicht, weil ohnehin alles sinnlos sei, und schreit: "Nichts, gar nichts sei wichtig, und ich wisse auch warum. Und er wisse ebenfalls warum. Während dieses ganzen absurden Lebens, das ich geführt habe, wehe mich aus der Tiefe meiner Zukunft ein dunkler Atem an, durch die Jahre hindurch, die noch nicht gekommen seien, und dieser Atem mache auf seinem Weg alles gleich, was man mir in den auch nicht wirklicheren Jahren, die ich lebte, vorgeschlagen habe (...)" Viele denken nun beim ersten Durchlesen, die Hauptfigur Meursault sei "der Held" der Geschichte. In Wahrheit ist Meursault als Antiheld gedacht, Camus wollte mit seinem Buch also nicht ein gleichgültiges Verhältnis zu Werten und Moralvorstellungen propagieren, sondern zum Denken anregen.
Bush_existentialism
Camus war nämlich kein Nihilist im negativen Sinn, er wollte sich nichtmal als Existenzialist verstanden wissen, sondern als Moralist, was er auch wirklich war: Indem er aufzeigte, dass es keine in Stein gemeisselten Werte gibt, wollte er, dass neue existenzialistisch-humanistische Werte geschaffen werden, die den Menschen zum Mittelpunkt und Fixpunkt haben. Camus offenbart also die hässliche Wahrheit von der Sinnlosigkeit - aber keineswegs um uns depressiv zu machen, sondern er hoffte, dass wir etwas verändern würden. Ohne im Daseinskampf gewonnene Werte ergibt die Revolte keinen Sinn. Diese Werte müssen sich auf das richten, was wirklich existiert: auf die Menschen selbst. Was der Mensch braucht, ist „menschliche Wärme“ („chaleur humaine“). Camus vergleicht die Lage des Menschen mit der Lage des verfluchten Sysiphus. Er glaubt, dass sogar Sysiphus glücklich sein kann ("Il faut s'imaginer Sisyphe heureux.") Sysiphus muss zwar jeden Tag seine schwere Steinkugel den Berg hochrollen, die immer wieder runterrollt, aber es ist wenigstens SEINE Steinkugel. Laut Camus soll der Mensch "revoltieren". Was bedeutet: Etwas tun, obwohl alles sinnlos ist. Gegen die Sinnlosigkeit ankämpfen, obwohl der Kampf letztlich auch wieder sinnlos ist. All die sinnlosen Taten und Revolten werden durch den Tod besiegelt, der nicht nur die Ursache der Sinnlosigkeit ist, sondern auch die Krönung eines jeden absurden Lebens. Freimaurerische Kreise aber verkehrten den Existenzialismus ins Gegenteil (bzw. förderten seine Fehlinterpretation), also gehen wir raus und töten Araber im Irak... (George Bush hat „Der Fremde“ erst 2006 in seinem Sommerurlaub gelesen – wers glaubt!) Camus Einfluss auf Dich hängt also davon ab, wie Du ihn interpretierst, bzw. wie die Gesellschaft dich ihn interpretieren lässt. Wenn Du ihn richtig interpretierst, gibt er dir einen Ansporn, die Welt zu verstehen und zu 85 verändern. Interpretierst Du ihn aber falsch, lässt er dich lethargisch zurück. Nichts ist sinnlos - oder alles. Du bestimmst!DIE SIMPSONS UND DER POSTMODERNISMUS
Ein anderer nennenswerter Einfluss auf die (Populär-)Kultur waren die Simpsons. Die Simpsons sind ebenfalls ein zweischneidiges Schwert: Sie richten sich gegen das System, wurden aber zunehmends umgepolt, um es zu stützen statt zu bekämpfen. Die Simpsons durchbrechen permanent die vierte Wand, sie richten sich an den Zuschauer, als wüssten sie selber, dass sie nur Figuren in einer Sendung sind, sind selbstironisch. Wenn man die Simpsons schaut, schaut man nicht fern, sondern man schaut, wie jemand fernschaut. Die Bewohner Springfields sind nämlich selbst stark popkulturbeeinflusst, alles ist voller Anspielungen - ein dauernder Befremdungseffekt, der den Zuschauer zum Denken anregt. Durch dieses neue Fernseh-Gefühl konnte eine neue Generation kritischer Fernsehzuschauer aufwachsen. Postmodernismus ist der Stil, keinen Stil zu haben. Der Postmodernismus ist überzeugt vom "Ende der Geschichte", alle grossen Ideologien seien tot, alle grossen Erzählungen seien beendet - Jetzt dreht sich also alles nur noch um sich selbst. (vgl. Nietzsches Theorie von der "ewigen Wiederkunft des Gleichen") In der postmodernen Kultur ist drum alles möglich: Hulk Hogan kann gegen Hitler kämpfen, fiktive Menschen gegen richtige, zeitgenössische gegen mittelalterliche usw. Denn "keine Realität ist höher als die andere." Es gibt keine Hoch- und Tiefkultur mehr, alles wird auf dieselbe Ebene gestellt: Märchen, Wissenschaft, Literatur, Filme, Geschichte. Alles sei arbiträr. "Nichts ist wahr, alles ist erlaubt" war die Losung des Geheimbunds der Assassinen, und dürfte wohl auch von Freimaurern gutgeheissen werden. Die Simpsons, besonders die alten Folgen, waren postmodern in einem positiven Sinn (Ihre Postmodernität regte zum Nachdenken an). Aber das meiste Postmoderne heute ist im negativsten Sinn postmodern, und seine lauteste Botschaft ist: "Es hat keinen Zweck!" Baudrillards Theorie von der "Verschwörung der Kunst" besagt, dass ein Kunstwerk selbst keine Bedeutung hat, sondern ihm diese von der Presse, den Promotoren, der Anhängerschaft usw. verliehen wird. Das gilt heute mehr denn je. Denn das Motto unserer Kultur scheint zu sein: "Wenn die Welt hohl ist, ist Oberflächlichkeit unsere letzte Rettung." Eine nahrhaftere Kultur wäre aber möglich!
INDIVIDUALISIERUNG UND "POSITIVES DENKEN"
Unsere Kultur führt in den (falschen) Individualismus. Säkulärer Satanismus ist nichts anderes als Individualismus in der negativsten Form: Radikaler Egoismus. Die eher in den USA bekannte, von Ayn Rand gegründete, Pseudophilosophie des "Objektivismus" predigt u.a., dass man den Armen nicht helfen sollte. Eine Philosophie der Starken, der Unternehmer. Solche Bewegungen dienen selbstredend den Herrschenden. Und sie werden rätselhafterweise immer und immer wieder neu inkarniert, doch es ist immer dasselbe. Heute, 30 Jahre später, haben wir "Rhonda Byrne" und ihr "The Secret". Dieses Buch liefert uns nichts anderes als einen neuen Aufguss des "Positiven Denkens", das immer wieder aufgewärmt wird. Die Theorie, dass "positive" Gedanken das Glück anziehen würden, mag vielleicht sogar teilweise stimmen, doch damit ist nur das Glück für das Individuum gemeint. Wenn man das "Positive Denken" bis zur letzten Konsequenz analysiert, offenbart sich der pure Faschismus. Um die Schäden übersehen zu können, die sie auf der Welt verursachen, müssen die Schädiger "positiv" Denken, und auch das breite Volk muss es tun, da es sonst aufstehen würde. Es ist eine menschenunwürdige, egoistische Praktik, die im Esoterikbuchhandel unbekümmert gepredigt wird. Der Psychologieprofessor Martin Seligman, Erfinder der "positiven Psychologie", bringt sogar den US-Streitkräften "Positives Denken" bei (ein 31-Millionen-Dollar-Auftrag) Über die Popkultur wird dieses schädliche Gedankengut breit gestreut: - In "Tick Tock" von Nas findet sich die Aussage "Think positive" - die Black Eyed Peas haben ein Lied "Positivity" genannt - "Poverty's a mind state" singt NAS in "Association" („Alles, was zu dumm ist, um gesprochen zu werden, wird gesungen.“ Voltaire) Platon sprach auch von der Musik als eine sehr grosse Kraft um die jungen Menschen zu lenken, so gross, dass der Philosoph wollte, dass Musiker nur mit einer Lizenz arbeiten dürften. Viele Hiphopper haben eine selbstgefällig-chauvinistische "Get rich or die tryin´!"-Mentalität. Der Rapper KRS hingegen sagte einmal: "Du kannst nicht reich sein und gleichzeitig echten Hiphop produzieren!" Sie erzählen dir: "Beschäftige dich nicht mit dem Negativen, weil alles sowieso nur eine Illustion ist." Es heisst, es würde nichts Gutes bringen, sich mit Negativem zu beschäftigen. Wenn also jemand seine Stimme erhebt und sagt: "Wir bewegen uns auf die Hölle zu", werden alle sich abwenden, weil sie darauf konditioniert sind, nur das Positive zu sehen. Will Smith: "Sobald du es sagst, machst du es real. Die Leute fragen mich über Rassismus in Hollywood. Warum sollte ich Rassismus überhaupt erst anerkennen?" Die Irrmeinung "Sobald du es sagst, machst du es real" bedeutet etwa soviel wie: "Wenn du es nicht sagst oder aussprichst, existiert es nicht." Das "positive Denken" kommt harmlos daher, erst auf den zweiten Blick offenbart sich, was für ein bodenloser Zynismus dahintersteckt. Nämlich wenn man den Umkehrschluss zieht: Die Obdachlosen und Hungrigen existierten nicht. Sie sind natürlich bettelarm, weil sie sich ihre Situation herbeigedacht haben bzw. geistig arm sind, und sich nicht besser denken können. Der Esoterikautor Trutz Hardo vertritt sogar die Auffassung, die Juden hätten karmisch die KZs verdient gehabt, über dem Eingangstor von Buchenwald hätte der Spruch "Jedem das seine" geprangt.
KREATIVITÄT
Wenn man die Geschichte des Wortes "Kreativität" analysiert, merkt man, dass dessen Bedeutung sich verändert hat: In den 70ern bedeutete es: Regeln brechen, etwas ungewöhnlich tun, alte Gedankenspuren verlassen. Ab den 80ern wurde der Begriff subjektiviert, und bedeutet jetzt einfach: Sich ausdrücken.
Das Dogma der Individualisierung ist zwar heute schon so tief verankert, dass die Kindergärtnerin den Kindern sagt: "Jedes von euch ist einzigartig.", aber die Menschen unterscheiden sich in Tat und Wahrheit gar nicht so stark voneinander, wie sie meinen, und die ersten Ideen, die uns kommen, hatten oft viele andere schon vor uns. Somit sind wir uniformiert durch Individualisierung, wenn Kreativität sich an nichts mehr reibt als uns selbst, sind wir berechenbar. Individualismus wird nur noch ausgedrückt durch die Produkte, die man kauft, den Stil, den man trägt - Darum die Angst vor den Cumuluskarten, sie wissen, was man gekauft hat, und bei manchen Menschen kommt das bereits einem Seelenraub gleich. Dieser "Individualismus" und dieser falsche Stolz trennen uns.
VERSTECKTE BLASPHEMIE
Wenn wir Erwachsenen kulturell schon derart an der Nase herumgeführt werden, wie sehr passiert das dann wohl den Kindern? Mit Disney ist es immer dasselbe: Prinzessinnen, die nicht reden, Frauen, die nur ihren Körper anzubieten haben, Sex ist ihre einzige Erlösung. In anderen Disneyfilmen gibt es andromorphe Enten, sogar sprechende Objekte, sprechende Autos! Im Kapitalismus wiegen die Dinge schwerer als der Mensch, der sie schafft - Eine Blasphemie nicht nur gegen einen allfälligen Gott, sondern gegen die ganze Menschheit. In Entenhausen gibt es keine Kirche oder Religion. Es gibt aber dennoch eine Art Magie und höhere Macht, die sich äussert. Woher kommt sie? Vermutlich ist Dagobert Duck der heimliche Gott Entenhausens. Die Erfindungen Daniel Düsentriebs sind die "Wunder" der kapitalistischen Produktionsweise. Aber das ist noch nicht die höchstmögliche Stufe von Blasphemie: Wenn in Hollywood der Weltuntergang droht, dann gibt es für die "Guten" immer die Möglichkeit, ihn abzuwenden. Das ist ziemlich paradox, denn der Weltuntergang ist in der Bibel etwas Gottgewolltes. Ausserdem kennt niemand seine Stunde, und wenn er anfängt, dann hat er ja schon angefangen. Man sollte also keinem "Christen" wie Bush glauben, der suggeriert, dass er die Apokalypse abwenden will, denn das ist ein Widerspruch in sich.
SPIELE
Spiele sagen viel über die Gesellschaft aus. Alte Spiele wie Schach hatten feudale Strukturen: Ein König, eine Königin, Bauern usw. Später, als es keine Sympathie für den Kaiser mehr gab, kam "Eile mit Weile auf", es gab keinen König mehr, nur noch Hütchen. Die Spielfiguren waren austauschbar, wie die Soldaten, die in den grausamen Kriegen damals fielen. Das Spiel passte perfekt zur harten neuen Gesellschaft, die Figuren waren immer in Bewegung, eine hohe Unsicherheit und Ersetzbarkeit, die Figuren hatten kein Gesicht. Schon in der Schule werden wir auf die brutaldarwinistische menschenverschleissende Logik des Neoliberalismus gedrillt, wesentlich auch durch Spiele wie "Die Reise nach Jerusalem". Es ist ein hartes Spiel, immer ein Stuhl weniger, wer rausfliegt muss zuschauen ("ist arbeitslos"), und selbst der Sieger ist in seinem Sieg allein - die Wahrheit ist, dass es kein Jerusalem gibt. Heute haben wir elektronische Spiele, Jungen und Mädchen repräsentieren Gangster beziehungsweise Prostituierte in verabscheuungswürdigen Videospielen. Das notorischste Beispiel ist Grand Theft Auto, wo man sogar mehr Punkte bekommt, je mehr Geld man aus einem Überfallsopfer herausprügelt. Das geplante Spiel "Six Days in Fallujah" wurde eingestellt, nachdem jemand herausgefunden hatte, dass die CIA es war, die die Produktion in Auftrag gegeben hatte. Wieso mögen Kinder Videospiele? In Videospielen haben sie ein Ziel. Da gibt es einen klaren Weg, sogar die Munition liegt am Wegesrand bereit. Im Gegensatz zur wirren, absurden Realität ist in den Spielen alles so einfach, dass es geradezu eine Wohltat für den Geist ist. Die moderne Art, die Seele baumeln zu lassen. Man nennt diese Jugendlichen indifferent, aber eigentlich wollten sie ja alle die Welt retten. In den Spielen wie GTA gibt es viel Ironie, GTA ist eigentlich sehr sozialkritisch, wenn man genau hinschaut, und die Witze versteht. Aber die jüngeren Kinder nehmen es wörtlich, sie verstehen die Ironie nicht. Viele auch erwachsene Menschen heute verstehen diese Art von Sozialkritik nicht mehr, und das ist der wirklich traurige Punkt, weit bedenklicher als die Gewaltdarstellung an sich.
IRONIE
Das Stilmittel Ironie ist auch so ein zweischneidiges Schwert. Naomi Klein schildert ein paar Fälle, wie Ironie und Sarkasmus in der Werbebranche verwendet werden, um die Gesellschaft zu manipulieren. Die Werber machen Spots mit viel raffiniertem Sarkasmus, der die Gedankengänge des Betrachters vorwegnimmt. Des Zuschauers wissendes Grinsen ist vorprogrammiert, die Sofakommentare sind vorgeplant. Kritisch sein ist unmöglich, denn sie umgehen Deine moralische Instanz, indem sie Dein
Denken mit Ironie beschäftigt halten: Oft ist Ironie dazu gegen sie selbst gerichtet, was sie unangreifbar macht. Der globalisierungskritische Konsumentenschützer Ralph Nader bekam ein Angebot von Nike. Er sollte mit einem Nike-Turnschuh posieren, dazu der Spruch: "Wieder ein schamloser Trick von Nike, Turnschuhe zu verkaufen" Ironie war es auch, mit der es ihnen gelang, Kurt Cobain totzuproduzieren. Geblendet vom ironischen Scheinwerferlicht konnten sich weder Nirvana noch Pearl Jam oder irgendeine andere grosse Grunge-Gruppe zu politischen Aussagen durchringen. Pseudo-Ironie ermöglicht unbescholtene Grausamkeit: Einem Murat Kurnaz, der erzählt, was ihm angetan wurde, schenkt heute niemand mehr glauben. Die Geschichte klingt zu haarsträubend dreist, um wahr zu sein.
DIE "L'ART POUR L'ART"-IRRLEHRE
Die meisten Künstler, die vom Schweizer Medienteig gewälzt werden, sind gar keine richtigen Künstler. Ein richtiger Künstler stellt sich selbst hinter seine Kunst, und richtige Kunst zahlt sich selten aus. Der richtige Künstler erschafft etwas, das grösser ist als er selbst, je mehr er daneben untergeht, desto bedeutender ist sein Werk. Alle, die sich selbst inszenieren müssen, sind falsch. Aber die Selbstbefruchtungsmaschine SFDRS ist da anderer Meinung... Es wird die Meinung verbreitet, Kunst habe keinen anderen Zweck als sich selbst: "l'art pour l'art" sagt man. Aber das ist eine Lüge! Alles führt zu etwas, nichts steht einfach für sich selbst. Wir sind ein einziger grosser Organismus, und Kultur soll vereinen, nicht trennen! Literatur ohne Kritik ist keine Literatur! In anderen Kulturen war Kunst etwas sozial Engagiertes. Die sozialistische Kunst war Kunst für alle Schichten und Altersklassen, der Künstler wurde mit dem "Bitterfelder Weg" ins werktätige Volk integriert, er musste nicht verspottet dahindämmern irgendwo in einer Mansarde und sich zuschütten wie in unserer "Kultur" heute. Aber wir fühlen uns unangebracht, wenn wir politische Meinungen äussern, lieber lassen wir unsere Künstler Flecken auf Tücher malen. Und weil keiner die Kultur ernstnimmt, war es ein Leichtes, sie zu unterwandern. Wenn Du einen Dokumentarfilm oder einen Vortrag siehst, ist dein Geist 91 ganz wachsam, Du bist kritisch und bemerkst alles. Aber wenn Du ein fiktionales Werk in der Freizeit schaust, ist diese geistige Barrikade weniger wachsam... Wer sich morgens von einem Radiowecker aufwecken lässt, weiss, was ich meine: Am Abend desselben Tages erinnert man sich dann an Bruchstücke aus den Morgennachrichten, aber weiss nicht mehr, woher man diese Sätze gehört hat. Man weiss zum Teil nicht einmal mehr, ob man sie wirklich gehört oder nur geträumt oder nur gedacht hat. Es ist, als wären sie aus dem nirgendwo gekommen... Hollywood produzierte die Filme, in denen James Dean als Arbeiter gegen die bösen bösen Gewerkschaften ankämpft. Dass Gewerkschaften in der Regel eigentlich dem Arbeiter helfen, wird komplett ausgeblendet. Das hollywoodsche "Propaganda Placement" wurde aber immer raffinierter. Heute nutzt man die "Predictive Programming"-Strategie und produziert Ideologie, indem die Filme uns Vorbilder zeigen. In unserer übersättigten Gesellschaft ist es kein Problem, unsere Sehnsüchte zu befriedigen: Die Läden sind überall. Unser Problem ist nur, dass wir alleine nicht wissen, was überhaupt unsere Sehnsüchte sind. Menschliche Sehnsucht ist nichts Spontanes. Das Kino ist also die ultimativ perverse Kunstform: Es gibt uns nicht, was wir begehren, sondern lehrt uns, wie wir begehren sollen. ERFOLG DANK LOGEN Bevor Tupac ermordet wurde, hatte er vor ”fake sell out”-Rappern gewarnt (Jay Z, Nas, Prodigy usw.) Er schrieb einen Song namens “Killuminati”, der erklärte, wie erfolgreiche Musiker bedrängt werden, in die einschlägigen Orden einzutreten, um ihre Karrieren zu behalten. Das ”Rap Game” sei manipuliert und nur für diejenigen Künstler würden sich die Türen öffnen, die sich bereit erklären, zu Marionettenspielern zu werden. Der Komiker Dave Chapelle: "Niemand hat als Entertainer seinen Durchbruch weil er einfach hart in einem Comedyclub arbeitet..."
- Jay Zs Kleidermarke: "Rocawear" (benannt nach John D. Rockefeller)
- Wenn Freimaurer eingeführt werden, sagen sie "Ich bin", so nennt sich Jay Z auch "Jay Hova"
- Nas präsentiert sich auf seinem Album "I am" als Pharao
- MC Melle Mel, Bomfunk MC usw. = MC = Master of ceremonies
- "I´m a microchip of the old block" (Gnarls Barkley, "Transformers") = "Alter Altar"
Es findet in der Popmusik auch eine Glorifizierung der Armee statt. Derzeit durch Bruno Mars (der römische Kriegsgott) mit "Catch a Grenade" und "Soulja Boy" = "Soldier Boy"
Pinkmasonicinitiation
Wenn die MCs also die "Zeremonienmeister" sind, sind wir Konzertgänger gewissermassen alle Teilnehmer bzw. Zeugen von Ritualen. Es ist schwierig, das Eigentliche zu sehen hinter den Symbolen.Die Musik des Establishments versucht uns klein zu machen, verhöhnt uns Zuhörer:
"What you know!" T.I.
"Whatcha say!" Jason Derulo
"You can't tell me nothing!" Kayne West
Gleichzeitig die Aufsexualisierung durch im kommerziellen Hiphop sehr häufiges Frauengestöhn im Hintergrund. Gewaltfördernde Minderwertigkeitskomplexe sind vorprogrammiert!
WELTSCHMERZ IN DER KULTUR
Es gab nie eine Zeit, in der die Depression verbreiteter war als heute. Aber unsere Kultur drückt dieses Gefühl sehr wenig aus. Wir können über alles andere reden heute, über Sex, Grausamkeiten, allerhand Tabus usw., aber Depression ist anscheinend das letzte noch bestehende Tabu unserer Kultur. Irgendwie ist es fast obszön, über Depression zu sprechen. Wenn man darüber spricht, wird man als banal angesehen, oder als ein Misantroph, ein Schwarzseher oder Faulenzer, der nichts mit sich anzufangen weiss: Der Depressive ist "nicht erfolgreich", aber die Ironie ist, dass unsere Prozac-Gesellschaft sehr "erfolgreich" ist... Die Kultur anderer Jahrhunderte hat den Weltschmerz zu verarbeiten gewagt: Dürers "Melencolia", die Romantik, die klassische Musik usw., und es war überhaupt nicht banal, sondern höchste Kunst! Richtige Künstler sind feinfühlige Leute, sie spüren den Weltschmerz, statt ihn nur mit Lärm zu übertönen. Tiefes Denken wird in unserer Gesellschaft also eher wie ein Blinddarm behandelt - es ist nicht unmittelbar nützlich, man kann auch ohne es existieren. Und je weniger man dieses Denken braucht, desto mehr entwickelt es sich zurück, bis die (D-)Evolution es eines Tages total aus unseren genetischen Bauplänen herausstreicht.
ERKENNTNIS MUSS MAN AUSHALTEN KÖNNEN...
Die Herrscher wissen, dass alles auf der Welt arbiträr ist, also können sie darauf aufbauen und ihre eigene Realität erschaffen und uns diese vorsetzen. Ein Gefühl dafür zu bekommen, dass alles arbiträr (und sinnlos) ist, ist selbstredend nichts Angenehmes... Aber im Gegensatz zum einzelnen Depressiven, den die ungeheuerliche Erkenntnis stets allein trifft, sind die Freimaurer-Politiker nicht alleine mit der Erkenntnis, denn sie haben ja ihre Bruderschaft im Rücken, die ihnen hilft, den heiligen Wahnsinn zu kanalisieren und zu instrumentalisieren, damit er sie nicht selbst auffrisst. In dem Sinn sind Politiker wie Komiker. Komiker sind mir unheimlich - Denn um andere zum Lachen zu bringen, muss ein Komiker wissen, dass es eigentlich gar nichts zu lachen gibt...

PSYCHIATRIE

PSYCHIATRIE

DU SOLLST NICHT GANZ SEIN
Nimmt man von der Realität grösseren Anteil als einem zusteht, wird man psychiatrisiert. FFE (Fürsorglicher Freiheitsentzug) ist ein mächtiges Instrument gegen Abweichler (Allein dem Autor persönlich sind mehrere solche Fälle bekannt). Voodoo-Flüche funktionieren wirklich: Sie sagen, Du spinnst - und alle wissen es, und behandeln dich entsprechend. Irgendwann wird dieser Druck so gross, dass Du tatsächlich spinnst. Krank in einem kranken Land zu sein, ist aber ein Zeichen höchster Gesundheit! Es ist ein Land, wo man den Blick eingrenzen muss, um die "Wahrheit zu erkennen", wo man kein ganzer Mensch sein sollte, will man für voll genommen werden will. Wo jede Suche nach Einheit zur Vereinzelung führt. Wo man sein Über-Ich ins Es integrieren muss. Im vermeintlich herrschaftlosen Neoliberalkapitalismus ist nicht die Unterordnung des Egos verlangt, sondern dessen Triumph (Es gibt da die Anekdote vom tobenden Jungen im Wartezimmer der Psychiaterin, der Zeichnungen von der Wand reisst, um seine eigene aufzuhängen. Die Psychiaterin kommt raus und lächelt. An der Hand hat sie den verschüchterten Bruder des Jungen. Er ist der Patient.) Elefanten beginnen zu "weben", wenn sie gefangen sind - Wie wir. Gefangen in diesem Zirkus des Chaos, einem Wechselbad aus sinnloser Arbeit und verzweifeltem Spass. Man beschreibt Formulare mit deinem Personennamen, dabei ist Persönlichkeit nur eine Illusion. Je mehr man über sich forscht, desto weniger weiss man. Man findet "nur" heraus, dass man eigentlich wie jeder andere ist. Die Grenzen der Persönlichkeit werden einzig durch Eigentum gebildet und aufrechterhalten. Es gibt keinen anderen - es ist alles eins. Sich selbst finden, heisst auch, seinen Platz in der Gesellschaft finden. Aber man hat ja besser zu sein als andere, man muss "sich verkaufen". Die staatliche Psychiatrie ist eine Blackbox: Programme, Therapien, Psychopharmaka werden verordnet, ohne dass man weiss, warum genau, und wozu, und was für Schlussfolgerungen zu diesen Massnahmen führten. Geldmangel und Indifferenz verhindern richtiges Verständnis. Die Psychiater sind oft Charakterlumpen, die sich selbst an Gebrochenen aufrichten. Selbst die Hände derjenigen Psychiater, die einem nur knapp die Hand geben, riechen meterweit antiseptisch-chemisch. Die Schweiz hat die höchste Selbstmordrate in Europa. Gegen Menschen, die denken, findet ein riesiger Holozid statt. Die meisten töten etwas in sich ab, andere töten sich gleich ganz. Die Medien haben ein Abkommen, Selbstmordfälle zu verschweigen, Für solche Menschen hat man in der Schweiz nur Zynismus übrig. Ich hörte einmal den Spruch: "Selig sind die Selbstmörder, denn sie hatten genug vom Leben!"
CHAOS UND UNGERECHTIGKEIT WERDEN VERHERRLICHT
Im Kommunismus triumphiert der Mensch über das Chaos. Was bedeutet: Angeborene Ungerechtigkeiten werden ausgeglichen, es gibt Solidarität usw. Ganz anders im Kapitalismus. Hier wird zynisch das Chaos angebetet, es gilt als etwas "Kreatives" und sowieso: Jeder hat dieselben Chancen ("all men are born equal")? Behinderung oder Genie, Fluch oder Talent - im Kapitalismus wird die Ungerechtigkeit - der Zufall der Geburt – von Anfang an verherrlicht, und alle weiteren Ungerechtigkeiten, die darauf aufbauen. In den Kasinos und Börsen werden Glück und Unglück sogar auf ein Podest gestellt, und Gewinn und Verlust stehen rechtmässig im Spielbankengesetz abgesichert. Zynismus sichert die Altersrenten.
Nicht jeder kann reich werden im so zufallsbeeinflussten echten Leben, darum wahrt die Lotterie den Schein der Gerechtigkeit. Die Lotterie, die selber eigentlich ungerecht ist!! So rechtfertigt die eine Ungerechtigkeit die andere...
VOM STOLZ SEIN
Es war einmal ein reicher Mann, der sich in seinem erfolgreichen Leben sonnte:
"Ich habe es mir schön ausgewählt, ich habe mir gute Eigenschaften ausgewählt für meine Existenz."
Irgendwie hielt er das ganze für ein Computerrollenspiel und schien ernsthaft zu glauben, er hätte sich, bevor er auf die Welt kam, aussuchen können, wen er dann verkörpern will.
Da kam ich und fragte ihn: "Und wie hast Du die Fähigkeit bekommen, so gut fähig zu sein, so gute Fähigkeiten zu wählen?"
Das liess ihn keineswegs zaudern, sondern er war jetzt noch stolzer.
Nun stellte ich eine letzte Frage, dafür reichten meine Nerven gerade noch:
"Warum ist dein Leben so schön? Und warum habe ich so viel Ärger?"
"Beschwer Dich nicht! Du hast ja selbst gewürfelt!"
Nach einer kurzen Stille klopfte er mir kollegial auf die Schultern und meinte: "Ich würde ein erfolgreiches Geschäft wie meins eröffnen, wenn ich Dich wäre"
"Nein, wenn Du ich wärst, würdest Du handeln wie ich - Du wärst ich."
"Ich glaube ich habe 30 Jahre meines Lebens damit zugebracht, zu versuchen, etwas zu werden: Ich wollte gut werden, gut im Tennis, gut in der Schule, im Zeugnis, und alles, was ich aus diesem Sichtwinkel wahrnahm, war: Ich bin nicht in Ordnung, so wie ich bin, aber wenn ich gut werden würde, dann... Ich begriff, dass ich das Spiel falsch verstanden hatte - ich hätte herausfinden müssen, was ich bereits war." Richard Alpert
WEGSCHAUEN! DU DARFST NICHT MERKEN
Aus allen Fernsehsendern und allen Radiostationen, aus allen Zeitungen und Magazinen, aus der ganzen westlichen Kultur überhaupt dringt ein einziges immergleiches Mantra: "Bewusstsein ist Schmerz, Introspektion ist der Tod. Geben sie die Sinnfrage an künftige Generationen weiter" Was ist das aber für eine Kultur, in der das Bewusstsein abgetötet werden muss? Ist es nicht gerade das Bewusstsein, das den Menschen zum Menschen macht? Was sonst unterscheidet einen vom Tier? Dass man ein Mobiltelefon benutzen kann? Ich kenne ein eigentlich intelligentes, aber durch ein Geburtsgebrechen problembelastetes Mädchen ohne Schulabschluss, das die obligatorische Schule nicht abschliessen konnte - aber nun bei den Rollstuhlrennen ganz vorne mitfährt. Niemand hat ein Interesse daran, die körperlich Behinderten in (im weitesten Sinn) „geistige“ Berufe einzuführen und somit das zu fördern, was intakt ist: Den Geist. Man bevorzugt es, sie (wesentlich über die Muskelerhaltung hinaus) zu Rennmaschinen zu machen und im Kreis fahren zu lassen! Arbeitet auf der Invalidenkasse irgendjemand mit einer Behinderung? Psychisch kranke Menschen unterscheiden sich von nicht-psychischkranken speziell in einem Punkt: Sie nehmen die inneren Ränder des Lebens nicht so ernst, sondern interessieren sich mehr für die äusseren. Bei normalen Menschen ist das umgekehrt. Sie würden lachen über die Weisheiten und Wahrheiten, die wir hier besprechen. Sie sind viel zu beschäftigt damit, Steuererklärungen auszufüllen und eine Gehaltserhöhung zu erkämpfen. Die einen nehmen den grossen Zusammenhang ernst, die anderen den kleinen.
DER "GESUNDE MENSCHENVERSTAND"
Nichts ist leichter zu manipulieren als der "gesunde Menschenverstand". Eine Geschichte über Nasreddin (den islamischen Till Eulenspiegel) beweist dies: Wieder und wieder überquerte Nasreddin die Grenze zwischen Persien und Griechenland auf Eselsrücken. Jedes Mal hatte er zwei Körbe mit Stroh dabei und kam ohne sie zurück. Jedes Mal untersuchte die Wache ihn wegen Schmuggelware. Niemals fand man etwas. „Was bringst du herüber?“, fragten sie ihn. „Ich bin ein Schmuggler.“, antwortete er immer. Jahre später, Nasreddin machte einen immer wohlhabenderen Eindruck, zog er nach Ägypten. Dort begegnete er einem der Grenzwächter. „Sag einmal, Nasreddin, jetzt wo du außerhalb der Gerichtsbarkeit von Griechenland und Persien bist und hier in solchem Wohlstand lebst, sage mir doch, was war es eigentlich, was du geschmuggelt hast, als wir dich nie überführen konnten.“ „Esel“. Dem gewöhnlichen Menschen entgeht also vieles, weil er in Schablonen denkt.
WER IST HIER WIRKLICH VERRÜCKT?
Hermann Scheer, Bundesvorstand Deutschland: "Es ist charakteristisch für das neoliberale Zeitalter, dass das ganze Denken verkürzt ist. Alles ist verkürzt auf den Moment, die höchstmöglichen Profite zu machen. Sofort. Um jeden Preis." Hugo Chavez zu einem FOX-Reporter: "Your question is artificious. Your mind has many confusions.. Your mind is filled with poison." Wir haben eine wirklich kranke Denkweise: Der PR-Mann im Fernsehen entschuldigte sich für das Leid, dass die geleakten US-Folterbilder verursacht hatten. Nicht für die Folterungen selbst. Ein anderer PR-Mann entschuldigte sich, dass die Streetview-Aufzeichnungsautos schwarz waren, was ein Fehler gewesen sei und 99 furchteinflössend - in Zukunft würden sie weisse nehmen. Sie wollten also gar nicht begreifen, dass das Problem in dem liegt, was sie tun, nicht wie sie es tun. Heute ist alles erlaubt, wenn man es in der richtigen Art und Weise tut. Wenn ich das nächste Mal jemanden ausraube, werde ich einen Anzug tragen. Wahrheit ist heute nur im Auge des Betrachters - Nicht das, was eigentlich geschieht. Jeder will ein Held sein. Aber wichtiger als Held werden, ist als Held gelten. Also zündet man ein Feuer an und löscht es dann. Das tun ja sogar ganze Regierungen. Politische psychiatrische Brandmarkung schon im Kindesalter: Kommt ein verschüchtertes Kind zur Psychiaterin drückt sie ihm z.B. einfach den Stempel "Asperger-Autismus" auf. Dass das Kind in Tat und Wahrheit hochneurotisch und depressiv ist, weil es in bedenkenswerten Umständen aufwächst, zum Beispiel in einem Problemschulhaus, vernachlässigt man. Man will ja nicht in ein Wespennest zu stechen ("Neurosis is always a substitute for legitimate suffering" Carl Jung) Die wenigstens Psychiater wollen die Gesellschaft verändern.
DAS HEUCHELN DER PSYCHIATRIE
Diese randvoll überbuchten Psychiater sind Heuchler: Sie leugnen diese Tatsachen, leugnen das, was ihnen die viele Arbeit gibt. Sie können die Menschen nur durch Verdrängung und Ablenkung "heilen". Die meisten sind zu schwach, wirklich nachzufühlen und wiederaufzubauen. Flehte ich einen Psychiater an: "Haben sie mir keine ANTWORTEN oder wenigstens HINWEISE?", antwortete er: "Laporam! Hypodrom! Was soll ich noch mehr sagen?!?" und ich meinte zu ihm: "Nehmen sie die selber auch?" Sie sagen auch "Gehen Sie wieder mal an die frische Luft!" und "Pflegen Sie Kontakte!". Dass muss mir nicht ein Psychiater sagen, ausserdem: Was nutzt aller Sport und alle Zerstreuung, wenn es an der Sinnfrage hapert? Ich hatte immer diese hektischen, unkontrollierbaren neurotischen Zwangsgedanken. Zum Beispiel in einem Gewitter stehend: "Regen - nass - kalt -Blitz - Strom" oder "1, 2, 3, Blau rot a, e, i, o, u, 90 Grad, 180 Grad, 360 Grad grün, viertel vor". Oder der Impuls jemanden zu schlagen, obwohl man 100 eigentlich friedfertig ist, etwas zu zerstören, zu vergewaltigen, anzuzünden. Oder Flüche, die einem einfallen, sogar gegen freundliche Menschen. Obszöne unangemessene Zwangsgedanken und Grübelzwang. Sie wollten mir Ritalin dagegen geben, aber ich winkte ab. Ich musste letztendlich selber herausfinden, woran es lag: Einfach daran, dass ich isoliert war. Wenn man genug lange allein ist, beginnen die Blätter im Wind zu reden, der Wasserhahn usw. (Es ist nicht echt ein Hören, die Wörter entstehen direkt im Kopf, und man fragt sich woher sie kamen.) Aber diese Leute hätten mir tatsächlich Ritalin gegeben!
JE GRÖSSER DER GLAUBE DESTO GRÖSSER DIE HOSTIE
Nur wer blind in dieses System vertraut, bekommt seine Hostie am Monatsende. Der Chef gibt dem Leben Bedeutung. Und je mehr man glaubt, desto grösser ist sie. (In der richtigen Religion spielt Grösse übrigens keine Rolle. Es gibt Geschichten von Priestern, die sogar von Gott bestraft wurden, weil sie eine grössere Hostie wollten als das gemeine Volk -> z.B. Oswald Milser) Es geht alles um den Glauben in einem Staat. Die DDR ist gescheitert, weil die Bürger aufgehört haben, an sie zu glauben. Es ist einfacher, an das Kapital zu glauben als an Menschen (Milton Friedmans neoliberale Theorien basieren auf einem negativen Menschenbild, dass alle korrumpierbar seien usw.)
GESICHTSVERLUST
Als ich einmal nach langer Arbeitslosigkeit doch wieder eine Praktikumsstelle bekam, freute ich mich zuerst - Bis ich dort gezwungen wurde, ohne Aufgabe vor dem Internet herumzusitzen, und nach fünf Monaten zusammenbrach. Klageworte kamen aus mir: "Alles wird immer gesichtsloser und gesichtsloser" Die es gehört hatten, starrten mich alle entgeistert an. Die Abteilungschefin: "Sie sind es ja, der hier sein Gesicht verliert".
AMBULANTER PSYCHIATRISCHER DIENST APD
Im Chefbüro hiess es dann ganz sachlich: "Wir kennen das Problem, wir kennen die Abläufe... Sie müssen jetzt zum Ambulanten Psychiatrischen Dienst. Aber um dort vorsprechen zu können, muss ein guter Allgemeinmediziner sie einweisen." Dieser fragte mich dann, was denn überhaupt das Problem mit mir sei? Ich sagte, ich weiss nicht. Also zögerte er, mich einzuschreiben, schrieb mich dann aber doch ein, weil: Es muss ein Problem bestehen, weshalb sonst hätte man sie zu mir geschickt? Nur Baron Münchhausen kann sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Zur Psychiatrie verhielt ich mich deshalb offen und kooperativ, glaubte, sie könnte mir Klarheit bringen. Bevor ich in die ambulante Psychiatrie ging, schrieb ich ihnen lange E-Mails (weil ich nicht so gut sprechen kann) mit Vorinformationen über meine Situation, alles, was ich schon herausgefunden hatte. Als ich mal mein Dossier auf dem Tisch liegen sah, realisierte ich, dass sie sie wenigstens ausgedruckt hatten. Somit hatte ich rund 90 % meines Dossiers selbst erstellt! Etwas vom ersten, was sie im APD von mir verlangten, war - Zu eugenischen Zwecken - ein "Genogramm", d.h. sie wollten, dass ich ihnen meinen Stammbaum aufzeichne, und sage, wer von meinen Verwandten wie genau tickt, bzw. nicht tickt. Die ständig nickenden Psychiater waren noch absurder als all meine Verwirrungen: Weshalb rochen sie immer so antiseptisch-chemisch? Diese Psychiater, die einem knapp die Hände schütteln, machen sie auch körperliche Untersuchungen? Wenn man einem unverbrauchten, noch nicht desillusionierten Psychiater seine Geschichte erzählt, dann beginnt er sogleich, eifrig seinen Block zu bekritzeln. Ein Eifer, der mich förmlich abstösst! Dahinter stecken die Werte eines gesellschaftlich Eingebetteten, der in einem weiteren Schritt beginnen würde, oberflächliche "Gründe" für Deine Lage herauszufinden. Vielleicht wohlmeinend, wahrscheinlicher aber, um Dich verurteilen zu können, sodass die Welt wieder gerecht wäre, und Du selbst schuld. Es widert mich an, dass diese Menschen zu wissen glauben, was "das Leben" ist. Ich hatte mich dann teilweise selber schon psychotherapiert und kannte mich aus, und konnte ihnen gegen Ende von selbst sagen, ich litte unter einer noogenen Neurose. "noo-was?" Sie kannten den Begriff nicht, weil er aus der Existenzanalyse stammte, die hier aus politischen Gründen kaum anerkannt ist. Sie alle waren stattdessen Systemtherapeuten oder Behavioristen, Verhaltenstherapeuten. Behaviorismus! Wenn ich das höre, denke ich eher an Tierdressur!
INVALIDENVERSICHERUNG IV
Von der Psychiatrie entlassen, fiel ich in den Aufgabenbereich der IV. Deren Aufgabe wäre es gewesen, eine taugliche Arbeit für mich zu finden. Es kam 102 zu keinem einzigen Gespräch ausser dem anfänglichen Abklärungsgespräch. Danach sah ich meinen IV-Berater nie mehr... Man speist uns mit Geld ab. Sie sind nicht an Arbeitern interessiert, sondern an Konsumenten.
"DIR GEHT ES EINFACH ZU GUT!"
Es gibt auch reiche Menschen, die vermeintlich alles haben, Familie, Arbeit usw. Aber sie bleiben trotzdem Sucher. Von ihnen denkt man, das sei eine Wohlstandserscheinung, sie seien undankbar usw., und man macht ihnen damit ein schlechtes Gewissen. Und gibt ihnen Medikamente gegen die Psyche und sagt, die Depression sei rein gehirnorganisch bedingt (endogen), also "grundlos". Sie suchen also "grundlos" nach etwas, was sie trotz allem immer noch nicht haben. Man schulmeistert sie: "Also, was hast du noch für einen Grund, etwas zu suchen?" Aber diese Formulierung ist verkehrt! Die Wahrheit ist, gerade WEIL sie suchen, haben sie einen Grund! Einem Neurotiker, der über seine Vergangenheit grübelt, Ritalin geben zu wollen, ist menschenunwürdig. Er hat ein Recht darauf, seine Vergangenheit zu verstehen, und dabei sollte man ihn unterstützen, nicht beim Verdrängen.
DYSTOPISCHE ZUKUNFTSVISION
In der Psychiatrie hatte ich eine Vision: In Zukunft würde es Arbeitspornografie geben, in riesigen Multiplex-Workdellen (Pro Township wird es mindestens 1 solches geben) würden die Menschen ihren Drang ausleben, etwas herzustellen, etwas zu bewirtschaften. Darüber hinaus würde eine neue Apartheid aufgezogen, die die Unbewussten von den Bewussten trennt, die noch mehr als alle anderen am Arbeiten gehindert werden würden.
"Ich bin mir absolut sicher, dass die Zwangspsychiatrie der letzten 125 Jahre auf der ganzen Welt den Holocaust, auch was die Zahl der Toten anbelangt, weit in den Schatten stellt." Edmund Schonenberger
LOGOTHERAPIE
Die sehr vernünftige psychiatrische Richtung namens Logotherapie/Existenzanalyse ist leider kaum verbreitet. Obwohl (oder grade weil) sie die Probleme an der Wurzel greift und sich ehrlich mit dem Sinn des Lebens beschäftigt. Diese psychiatrische Schule wird vielerorts aus politischen Gründen geschnitten, und hat leider keine starke Lobby von Anhängern um sich. Sie wurde erfunden von Viktor Frankl, der als jüdischer Psychiater in vier KZs war, es danach aber trotzdem wieder schaffte, seinem Leben einen Sinn abzugewinnen. Wegen seinen auf dem Existenzialismus gründenden Erkenntnissen wollte Frankl eine "Verantwortungsstatue" in Neu York bauen, die eigentlich wichtiger wäre als die Freiheitsstatue, bis heute aber noch nicht steht. Frankl widerlegte Maslows Bedürfnispyramide. Jener stellte die Selbstverwirklichung auf deren Spitze. Diese Ich-Zentrierung jedoch ist nicht gesund. Am Ende seines Lebens gab Maslow Frankl sogar Recht: nicht die Selbstverwirklichung gehört auf die Spitze, sondern die Selbsttranszendenz. Die Pyramide wird heute dennoch immer noch in unkorrigierter Form gelehrt... "Der Mensch hat keinen Beruf, er existiert für nichts! Ist ihnen schon mal aufgefallen, dass es in einer LED-Uhr Leuchtsegmente gibt, die nie zum Zuge kommen? Weil die vorderste Stelle nur 1 und 2 anzeigen muss... Ist ihnen das schon mal aufgefallen? Dass man ins Militär geht, die Firmung macht, dieser ganze Mist, habe ich begriffen, ist durch und durch arbiträr! Mit meiner Sonderlingstellung kann ich mich diesen Dingen entziehen, und es kümmert niemanden, mich selbst auch nicht. Aber es kümmert mich, dass es mich nicht kümmert... Es ist alles nur Tradition und Folklore, und nichts ist mehr unmittelbar und notwendig. Ich, das ist die Leuchtdiode, die nie zum Leuchten kommt. Das ist das wahre Problem: Nicht dass man zu faul wäre, etwas zu tun, sondern dass man nicht mehr einsieht, wozu! Sie haben einen dort, wo man nicht leuchten darf, weil man dann ausserhalb der Zahlenformation wäre, und es gibt genug, die leuchten. Unser Entweder-Oder-Denken kann nur funktionieren, indem bestimmte Leute ausgegrenzt werden."